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Wie man Geeks NICHT führen sollte

Donnerstag, 11. Juni, 2009

[EINLEITUNG:

„Gut geht es Dänen und denen, denen Dänen nahestehen.“

Dieser Spruch von Wolfgang Neuss aus dem Film „Wir Wunderkinder“ ist ein Sinnbild für das Ergebnis von zwei Studien zum Glücksgefühl („Happiness“) in den Ländern, welche beide zu dem Schluß kamen, daß die glücklichsten Menschen in Dänemark leben. Daher ist es nicht verwunderlich, daß der dänische Unternehmensberater Alexander Kjerulf die Arbeitsfreude (dän. „arbejdsglæde“) als wichtigen Faktor für produktive Arbeit erkannte, sich daraufhin zum Chief Happiness Officer ernannt hat und nun darüber doziert. Arbeitsfreude wird dieselbe Bedeutung beigemessen wie der Geschmack beim Essen, d.h. sie wird häufig als vernachlässigbare Größe behandelt. Daß sie sehr wohl ein entscheidender und vor allem beeinflußbarer Faktor ist, kann der geneigte Leser an den folgenden Quellen studieren:

Und wer einen Gegenentwurf der Sarrazin-Fraktion aus Deutschland studieren möchte:

Für die folgende Übersetzung eines Artikels von Alexander Kjerulf habe ich mich entschieden, den Begriff „Geek“ beizubehalten. Er umschreibt eine Person, die sich mit einem – meist technischen – Thema eingehend beschäftigt und sein Leben darauf ausrichtet und dies auch in seiner Arbeit umsetzt. Ein passender Ausdruck wäre vielleicht „Computerfreak“ gewesen, aber im Einklang mit den anderen Übersetzungen verwende ich den Originalbegriff, auch zur besseren Übertragbarkeit auf ähnliche Situationen.]

Wie man Geeks NICHT führen sollte

Als die Geeks bei NCR in Australien mit Streik drohten, war das ein Schritt, welcher Geldautomaten, Supermarktkassen und das Check-In auf Flughäfen hätte lahnlegen können. Dies unterstreicht die Tatsache, daß IT in den meisten Unternehmen so wichtig geworden ist, daß jede Störung eine Menge Zeit und Geld kosten kann, was wiederum bedeutet, daß die Geeks am Arbeitsplatz bei Laune zu halten ein absolutes Erfordernis im modernen Geschäftsleben ist.

Der Hauptgrund, warum IT-Leute am Arbeitsplatz unglücklich sind, bilden schlechte Beziehungen zum Management, oft weil Geeks und Manager grundverschiedene Persönlichkeiten, berufliche Hintergründe und Ziele haben.

Manche Leute schließen daraus, daß Geeks Manager hassen und unmöglich zu führen sind. Der Spruch „Geeks zu führen ist wie Katzen zu hüten“ wird zuweilen verwendet, ist aber schlicht und ergreifend falsch. Die Tatsache ist, daß Geeks schlechtes Management hassen und noch weniger Verständnis dafür haben als die meisten anderen Angestellten.

Wo geht es also schief? Ich begann als Geek und wurde später eine Führungskraft und IT-Firmengründer, so daß ich das Glück hatte, in beiden Lagern gewesen zu sein. Hier sind die 10 größten Fehler, die ich bei Managern erlebt habe, wenn sie Geeks leiteten:

1: Spielen Sie die Weiterbildung herunter

Ich hatte einmal einen Chef, der sagte: „Weiterbildung ist reine Geldverschwendung, gehen Sie selber lernen“. Die besagte Firma ist zwei Jahre später zusammengebrochen. Auf die Weiterbildung kommt es an, gerade in IT, und Manager müssen das begreifen und dafür Geld einplanen. Manchmal bekommt man zu hören: „Wenn man ihnen Weiterbildung gibt, dann kommt ein Konkurrent und schnappt sie einem weg“. Das mag stimmen, aber die Alternative wäre dann, nur Angestellte zu haben, die zu ungebildet sind, um woanders zu arbeiten.

2: Geben Sie keine Anerkennung

Da Manager möglicherweise die Arbeit nicht verstehen, welche die Geeks sehr gut erledigen, ist es schwierig für sie, die Arbeit anzuerkennen und zu belohnen, welche sehr gut erledigt wurde, was die Motivation schädigt. Die Lösung ist, zusammen eine Reihe von Zielen zu erarbeiten, über die sich beide Seiten einig sind. Wenn diese Ziele erreicht werden, dann verrichten die Geeks eine tolle Arbeit.

3: Planen Sie zu viele Überstunden ein

„Laßt uns soviel Arbeit wie möglich aus unseren Geeks herauspressen, sie haben sowieso kein Leben,“ so scheint der Ansatz einiger Manager zu lauten. Das ist ein Riesenfehler, und überarbeitete Geeks brennen aus oder verlassen einfach die Firma. In einem berühmten Fall erlitt ein junger IT-Mitarbeiter einen streßbedingten Schlaganfall, wurde ins Krankenhaus eingeliefert, kehrte kurz darauf zur Arbeit zurück und erlitt umgehend einen weiteren Schlaganfall. Dieser Artikel behandelt eingehender das Märchen, daß lange Arbeitsstunden gut für das Geschäft sind.

4: Verwenden Sie Managersprech

Geeks hassen Managersprech und betrachten es als oberflächlich und unehrlich. Manager brauchen kein Fachchinesisch zu lernen, aber sie sollten die Business-Phrasen loswerden. Ein Manager kann sagen „Wir müssen proaktiv auf unser Time-to-market einwirken“ oder Deutsch sprechen und bei „Wir müssen dieses Projekt rechtzeitig abschließen“.

5: Versuchen Sie, schlauer als die Geeks zu sein

Wenn Manager nichts zu einer technischen Frage wissen, dann sollten sie das einfach zugeben. Geeks werden sie dafür respektieren, jedoch nicht dafür, daß man vorgibt, etwas zu wissen. Und sie werden das mitkriegen – Geeks sind schlau.

6: Handeln Sie inkonsequent

Geeks besitzen einen tief sitzenden Sinn für Fairness, wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, daß in der IT Struktur und Konsequenz entscheidend sind. Die Dokumentation kann nicht eine Sache behaupten, während das Programm etwas anderes macht, und ebenso können Manager nicht eine Sache sagen und dann etwas anderes machen.

7: Ignorieren Sie die Geeks

Da MAnager und Geeks verschiedene Sorten von Menschen sind, könnten Manager am Ende die Geeks allein lassen. Das macht das Führen von ihnen schwierig, und Geeks benötigen gute Menschenführung genauso wie alle anderen Mitarbeitergruppen.

8: Treffen Sie Entscheidungen, ohne sie um Rat zu fragen

Geeks kennen für gewöhnlich die technische Seite des Geschäfts besser als der Manager, daher ist eine technische Entscheidung zu treffen, ohne sie um Rat zu fragen, der größte Fehler, den eine Führungskraft machen kann.

9: Geben Sie ihnen keine Werkzeuge

Ein schneller Computer mag mehr Geld kosten als ein älteres Gerät und es mag auch nicht den Firmenrichtlinien entsprechen, aber Geeks benutzen Computer anders. Ein langsamer Computer senkt die Produktivität und ist ein tägliches Ärgernis. Das gilt auch für veraltete Software. Geben Sie ihnen die Werkzeuge, die Sie benötigen.

10: Vergessen Sie, daß Geeks kreative Arbeiter sind

Programmieren ist ein kreativer Vorgang, kein industrieller. Geeks müssen sich ständig Lösungen für neue Probleme einfallen lassen und lösen kaum jemals das gleiche Problem zweimal. Daher benötigen sie Spielraum und Flexibilität. Strenge Dress-Codes und zuviel Papierkram töten jegliche Innovation. Sie benötigen ebenfalls eine kreative Umgebung, um dem Bürozellentod zu entgehen.

Einen oder mehrerer dieser Fehler zu begehen (und ich habe Manager gesehen, welche alle 10 machten) hat ernste Folgen, darunter:

  • Niedrige Motivation
  • Hohe Mitarbeiterfluktuation
  • Erhöhtes Fernbleiben
  • Niedrigere Produktivität
  • Niedrigere Qualität
  • Schlechter Service

Fröhliche Geeks sind produktive Geeks, und der wichtigste Faktor ist gutes Management, welches auf deren Situation zugeschnitten ist.

Vorbehalte:

  • Ich behaupte nicht, daß alle Geeks gleich sind. Geeks sind wahnsinnig verschiedenartige Leute, und dieser Artikel verallgemeinert gefährlich.
  • Ich behaupte nicht, daß alle IT-Leute Geeks sind. Manche sind es, manche nicht. Ich war es ganz bestimmt.

Wenn Sie diesen Artikel mochten, dann denke ich, werden Sie auch an diesen Vergnügen finden:

  • Let’s go vampire slaying“ – Mehr echt schlechte Managementideen, die man meiden sollte.
  • eXtreme Projects“ – Wie kann Extremprogrammierung bei Nicht-IT-Projekten angewendet werden?
  • Make your business happy and rich“ – Einfache Schritte, um die Leute bei der Arbeit in einem beliebigen Unternehmen fröhlich zu stimmen. Besonders wichtig für Jungunternehmen!
  • Don’t fight stress“ – Das macht Sie nur noch gestresster. Lernen Sie, wie Sie stattdessen ruhig in einem hektischen Job bleiben können.

Oder gehen Sie einfach zur Startseite und sehen Sie sich um. Diese Webseite handelt generell davon, wie wir bei der Arbeit fröhlich sein können und wie wir bessere und effizientere Arbeitsplätze gestalten können.

NACHTRAG:

Dieser Artikel ist auch in anderen Sprachen verfügbar:

(Übersetzung des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Verfassers)

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