Archive for the ‘Persönliches’ Category

Verspätung an der S1

Dienstag, 22. Juli, 2008

Während meines Studiums an der Universität Dortmund fuhr ich von meiner Wohnung in der Nähe des Dortmunder Polizeipräsidiums aus grundsätzlich mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln zur Uni. Da ich meistens zum Campus Nord mußte, hatte ich zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Entweder fuhr ich mit der Straßenbahn zur Haltestelle „An der Palmweide“ und von dort aus mit dem Bus weiter, oder ich fuhr zum Hauptbahnhof und stieg dort in die S-Bahn S1 um. Besonders die zweite Variante bescherte einem Erlebnisse, auf welche man lieber verzichten würde. Dazu gehörten:

  • Das Deutsche Turnfest von 1990 in Dortmund und Bochum, an welchem ca. 100.000 Menschem teilnahmen, welche die VRR weitgehend mit dem üblichen Zügen befördern wollte, vollgestopfte Züge, in welchem trotzdem eine ebensolche Anzahl Menschen versuchte, einzusteigen, inklusive.
  • Einen Beuys´schen Dreckfleck im Bahnhof Dortmund-Dorstfeld, welcher in den 10 Jahren, die ich in Dortmund verbrachte, dort bestehen blieb.
  • Die Tatsache, daß man Wolkenbrüche in der unterirdisch gelegenen S-Bahn-Haltestelle Campus Nord mitbekam, da das Wasser durch die Decke lief (ich spreche dabei nicht von einzelnen Tropfen, sondern von ganzen Rinnsälen, welche an der Deckenbeleuchtung vorbeiliefen).
  • Eine Hochzeit eines Studienkollegen, welche ich verpaßt habe, da die S-Bahn nach Dortmund erst 20 Minuten Verspätung hatte (also praktisch ausfiel) und der Zug, der nach diesen 20 Minuten fahrplanmäßig kommen sollte, sogar 40 Minuten Verspätung hatte, was man erst erfuhr, als man wieder in den Bahnhof ging.
  • Einen Zug von Bochum nach Dortmund, welcher unterwegs halten mußte, da die Oberleitung abgerissen war, und erstmal an einem der heißeren Tage liegen blieb, was irgendwann dazu führte, daß einige Fahrgäste trotz mehrfacher Warnung aus dem Zug ausstiegen.

Auch wenn der Zug oft pünktlich gefahren ist, so fragt man sich gerade als Statistiker, wie man solchen Pannen vorbeugen kann. Das bezieht sich nicht nur auf Pannen, von denen es heißt, daß man nichts dagegen machen kann, sondern auch auf alltägliche Verspätungen und andere Ärgernisse. Bekanntlich kann man Probleme erst dann beheben, wenn man sie als solche erkennt und bewertet.

Zu diesem Thema gibt es auf der Webseite Log Likelihood.com ein interessantes Projekt. Der Begriff Likelihood stammt aus der Statistik, daher vermute ich, daß zumindest einer der Macher mit dem Fachbereich Statistik der Uni zu tun hat. Schon früher habe ich bei einem Campus-Fest eine Präsentation über das Thema Verspätungen erlebt und dabei u.a. erfahren, daß die Bahn einen ausgefallenen  Zug nicht als verspätet ansieht. Beim „Projekt S1“ sollen die Probleme mit der S1 in einer 30- bis 40-minütigen Dokumentation verarbeitet werden, welche auch auf DVD erhältlich sein soll. Eigentlich hätte die DVD schon letztes Jahr rauskommen sollen, leider verzögert sich die Fertigstellung des Filmes, da die Macher auch andere Verpflichtungen haben, nicht in derselben Stadt leben und einer von ihnen auf eine DSL-Leitung warten muß (ein weiteres diskussionswürdiges Thema).

Bis es soweit ist, muß man sich mit dem Trailer begnügen, welcher bereits eine kleine Fangemeinde geschaffen hat:

  • NilsOle.net: „Das S-Bahn-Trauma im Ruhrgebiet: ‚Die S1 zerstört mein Leben'“ (Aufzählung der Probleme der S1 mit weiterführenden Links)
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Es gibt keinen Ersatz für einem zweiten Eindruck

Donnerstag, 8. Mai, 2008

„Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.“ – beliebter Spruch

Der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert hat regelmäßig darüber geschrieben, welches Erlebnis es darstellt, einen Film das erste Mal zu sehen. Während ich seine Meinung grundsätzlich teile, möchte ich in diesem Beitrag darüber schreiben, was es bedeuten kann, einen Film das zweite Mal (oder öfter) anzusehen. Vielleicht bin ich schwer von Begriff, aber bei manchen Filmen sehe ich Dinge erst, wenn ich sie mir öfter ansehe.

Als seinerzeit der Film „Pulp Fiction“ in den Kinos lief, bekam ich vorab schon zu hören, daß es ein besonderer Film sein soll, was z.B. an der Tatsache festgemacht wurde, daß es einen Comeback von John Travolta darstellte. Auf dem ersten Blick habe ich dann auch den Eindruck gewonnen, daß es ein interessanter Film ist. Aber erst, nachdem ich ihn nochmal im Fernsehen angesehen habe, fügten sich bei mir die Eindrücke zusammen und konnte ich alles nochmal studieren, so daß sich mir der Film immer mehr erschloß.

Das gleiche gilt auch für „Der Schuh des Manitu„. Jedesmal, wenn ich mir den Film ansehe, fällt mir die Hingabe zum Detail auf, mit welcher der Film gemacht wurde und die nicht unbedingt selbstverständlich ist. Dies ist offensichtlich ein Markenzeichen des Regisseurs Michael „Bully“ Herbig, denn in seinen anderen Werken kann diese Hingabe auch festgestellt werden.

Daß man nicht nur einen Aspekt eines Filmes immer mehr kennenlernen kann, sondern auch verschiedene Aspekte, habe ich während meiner Studienzeit mitbekommen. Bei einer Fete haben sich meine Mitstudenten über den Film „9 1/2 Wochen“ unterhalten. Dabei kam zur Sprache, daß einem, nachdem man sich den Film fünfmal angesehen hat, immer andere Sachen aufgefallen sind.

Insgesamt kann man davon ausgehen, daß je öfter man sich einen Film ansieht, einem neben dem, über was ein Film handelt, immer mehr bewußt wird, wie es darüber handelt. Dies ist laut Roger Ebert das entscheidende Kriterium, um einen Film zu beurteilen. Außerdem hat er mal festgestellt, daß jeder große Film jedesmal, wenn man ihn sieht, neu erscheinen sollte.

In diesem Zusammenhang sollte man überlegen, ob der Spruch vom Anfang dieses Beitrages der Weisheit letzter Schluß ist. Nicht umsonst hatte W. Edwards Deming in seinem Konzept der beständigen Verbesserung auch eine entsprechende Verbesserung des Wissen einbezogen. Die Vorstellung, daß man eines Tages sämtliches Wissen erfassen kann, war ein Konzept aus dem 19. Jahrhundert. Daß man im 21. Jahrhundert immer noch davon ausgeht, ist zwar möglich, aber trotzdem verkehrt. Wissen muß ständig vervollständigt, ausgeweitet und ergänzt werde.

Umkreisung am Beispiel der Kurzgeschichte „Känsterle“

Freitag, 25. April, 2008

Kurz nachdem ich meinen Beitrag über den Umgang mit Bedenkenträgern verfaßt hatte, erinnerte ich mich an eine Begebenheit aus meiner Schulzeit. Einmal (ich glaube, es war in der 8. Klasse) mußten wir in der Klasse eine Interpretation der Kurzgeschichte „Känsterle“ des schweizer Schriftstellers Rainer Brambach schreiben. Um das folgende zu verstehen, empfiehlt sich die Lektüre des Werkes (sie steht unter anderem hier online zur Verfügung) und ein paar kurze Überlegungen über die Handlung. Meines Erachtens lohnt es sich, die Kurzgeschichte auch sonst zu lesen.

Nach der Benotung der Interpretation stellte sich heraus, daß viele in unserer Klasse entweder dem Mann oder der Frau die Schuld am Ausgang der Geschichte gaben. Für solche Urteile sprang höchstens eine 3 heraus. Was wir hier vorliegen hatten, war ein Beispiel für eine Umkreisung des Themas (Punkt 9 in der Liste der 10 Arten des Bedenkens nach Shingo). Die meisten in unserer Klasse hatten die Geschichte nur aus einem Blickwinkel betrachtet. Hätte man mehrere Blickwinkel verwendet, hätte man zu einem kompletteren Urteil gefunden.

Interessant war, wie die einseitigen Blickwinkel verteilt waren. Es stellte sich heraus, daß die meisten Jungs der Frau die Schuld gaben, während die meisten Mädchen dem Mann die Schuld gaben. Dies war eine interessante Erkenntnis, aus der man etwas hätte lernen können, wenn man ihr weiter auf dem Grund gegangen wäre. Leider wurde anschließend weiter der Bildungsauftrag befolgt.

Neues zu meinem Blog

Donnerstag, 27. März, 2008

Das wichtigste zuerst: Mich gibt es jetzt auch auf Niederländisch. Als Cijferpeter werde ich meine Ideen auch den niederländischsprachigen Lesern nahebringen – gemäß des Grundsatzes, daß ein Blog einen großen potentiellen Leserstamm braucht und somit ein entsprechend umfassendes Angebot. Auch wenn als Verfasser „zahlenpeter“ angegeben ist, so handelt es sich um dieselbe Person (von zwei Persönlichkeiten zu reden wäre etwas weit hergeholt).

Anforderungen an einen Statistiker

Donnerstag, 17. Januar, 2008

Frage: Wenn jemand eine Laufbahn als Statistiker anstrebt, nach welchen Kriterien sollte in Schule bzw. Studium darüber entschieden werden, ob er eine entsprechende Ausbildung absolvieren darf?

Falls jemand mit „Turnen bzw. Wirtschaftspolitik“ antwortet, so dürfte er im Kultusministerium oder einer Universitätsverwaltung arbeiten. Das hört sich zwar seltsam an, folgt aber aus meinen Erfahrungen:

Als Schüler bin ich in Sport nicht besonders gut gewesen. Mit Sport meine ich das, wonach man im Fach „Sport“ beurteilt wird. Besonders mit Turnen kam ich nicht zurecht. Dies wurde so schlimm, daß ich in einer Klasse in Gefahr geriet, nicht versetzt zu werden. Es gab dann schließlich doch einen Ausweg, aber wenn dieser nicht bestanden hätte, wäre ich nicht dazu gekommen, mein Abitur zu machen bzw. zu studieren.

Im Studium hatte ich als Nebenfach erst VWL belegt, da ich meine Statistikkenntnisse irgendwo in der Wirtschaft anwenden wollte. An der Universität Dortmund gehörten zum Grundstudium die Fächer Mikroökonomie, Makroökonomie und Wirtschaftspolitik. Um das Vordiplom zu bekommen, mußte man in jedem dieser Fächer eine Klausur schreiben und bestehen. Die Durchfallquoten waren wie folgt:

  • Mikroökonomie: ca. 1 von 3,
  • Makroökonomie: ca. 1 von 3,
  • Wirtschaftspolitik: ca. 2 von 3.

Unter dem Gesichtspunkt, daß man jede Klausur bestehen muß, hat höchstens ein Drittel der Teilnehmer die Chance, am Hauptstudium teilzunehmen. Wenn man annimmt, daß die Klausurleistungen unabhängig voneinander sind, da hätte das sogar bedeutet, daß nur ca. 15 Prozent aller Studenten weitergekommen wären. Erschwerend kam noch hinzu, daß man nach dem dritten Versagen mit dem Studium nicht mehr weitermachen durfte. Das hätte nicht nur das Nebenfach betroffen, sondern das ganze Studium. Dort hatte ich übrigens die Prüfungen soweit bestanden. In VWL sah die Lage so aus, daß ich Mikro- und Makroökonomie bestand und in Wirtschaftspolitik zweimal durchgefallen bin. Nun stand ich vor der Wahl, mein Nebenfach zu wechseln oder einen dritten Versuch bei einer Klausur zu wagen, in der ich keinen Plan hatte, wie ich sie bestehen konnte. Es reicht, darauf hinzuweisen, daß ich kein Fan von russischem Roulette bin.

Zusammengefaßt stellt sich die Frage, ob jemand, der sich auf einem Gebiet Wissen aneignen will/soll, nicht bloß danach beurteilt werden sollte, ob er die Fähigkeit dazu besitzt und diese Person ihre Anstrengungen hauptsächlich auf das Erlernen dieses Gebietes richten sollte. In den beiden von mir beschriebenen Situationen war das jedenfalls nicht möglich.

Fast alles über Statistik, Holland und mehr

Freitag, 11. Januar, 2008

Dies ist der erste Beitrag meines Blogs, der Millionen Internetnutzer erreichen kann. Hoffentlich bekomme ich etwas interessantes zustande. Am besten, ich erzähle etwas über mich und schreibe dann, über was ich hauptsächlich schreiben werde.

Ich wurde in Bad Pyrmont geboren, wuchs in Cuxhaven auf, studierte Statistik in Dortmund, um anschließend in Aachen zu wohnen. Gearbeitet habe ich nicht in Aachen, sondern in Montzen, Heerlen, Baesweiler und anschließend wieder in Heerlen. Von Montzen abgesehen waren diese Orte mit dem Nahverkehr mehr oder weniger gut zu erreichen, und ich lebte im Endeffekt zwischen meinen verschiedenen Arbeitsstellen. Gegenwärtig bin ich arbeitslos und suche einen Job, für den ich weder zuwenig Berufserfahrung, zuwenig Qualifikationen oder zuviel Qualifikationen habe. Das ist leichter gesagt als getan. Ich finde, das sollte nicht so schwer sein, wie es ist.

Wie schon erwähnt studierte ich Statistik und habe sogar ein Diplom erworben. An Statistik hat mich der praktische Nutzen interessiert. Aus einer undefinierten Wolke an Daten lassen sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Deshalb interessieren mich besonders Gebiete wie Zeitreihenanalyse oder graphische Abbildungen. Während meines Studiums wurde mir immer mehr deutlich, daß Statistik nicht nur aus Methoden besteht, sondern auch das sogenannte statistische Denken erfordert. Das bedeutet, daß man Resultate und Trends nur da sehen sollte, wo auch welche sind.

Eine besondere Inspirationsquelle für mich sind die Lehren von W. Edwards Deming. Die Tatsache, daß er mit dem Aufstieg Japans nach dem 2. Weltkrieg zur wirtschaftlichen Weltmacht in Verbindung gebracht wird, sollte beeindruckend genug sein. Deming’s Verdienst war es, die Firmen darauf aufmerksam zu machen, daß mehr Qualität weniger Verluste anstatt mehr Kosten bedeuten kann. Dazu schuf er kein Programm wie Six Sigma, sondern ein Gedankengebäude, welches als Grundlage für alle Entscheidungen dienen soll. An diesem Gebäude hat er praktisch bis zu seinem Tod gearbeitet. Im Endeffekt gewinnt jeder anstatt einer auf Kosten des anderen. Dies schlug sich in seiner rhetorischen Frage nieder, ob irgendein Land arm sein muß.

Deming genießt in Japan immer noch große Popularität. Ab ca. 1980 wurden seine Lehren auch in seiner Heimat Amerika wiederentdeckt. Seine Bücher wurden in mehreren Sprachen übersetzt, z.B. in Niederländisch, Serbokroatisch und Russisch. Eine deutsche Übersetzung ist nicht zustandegekommen. Auch sonst haben sich die Lehren Deming’s im deutschen Sprachraum nicht besonders verbreitet. Ich habe den Eindruck, daß nicht nur fachliche Gründe dahinterstecken. In zukünftigen Beiträgen werde ich näheres dazu äußern. In der Zwischenzeit empfehle ich einen Besuch beim Swiss Deming Institute.

Wie groß der Bedarf an richtiger Interpretation der Gegebenheiten ist, kann man daran sehen, daß politische Diskussionen und Entscheidungen von Schlagzeilen bestimmt werden, die von der Journaille nach Publikumswirksamkeit ausgesucht und gestaltet werden.
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Seit meiner Arbeit in Heerlen beschäftige ich mich viel mit den Niederlanden. Woran es liegt, kann ich nicht genau bestimmen. Jedenfalls habe ich den Eindruck, daß es dort viel interessantes zu entdecken gibt. Vielleicht lassen meine Beiträge eine Interpretation zu. Neben den Niederlanden war ich auch ein paar Mal in Belgien. Es werden folglich auch darüber ein paar Sachen zu lesen sein. Um meine Leserschaft zu vergrößern (und in meinen Interessen-Gebieten Publikum zu finden), werde ich auch Beiträge auf Niederländisch schreiben.

Ein weiteres Interessengebiet von mir ist die Fotografie. Durch die Digitalfotografie kann man nicht nur mehr Bilder machen, sondern sieht auch sofort, wenn sie mißlungen sind. Ein weiterer Vorteil liegt in der Bearbeitung der Bilder.

Das sollte für’s erste reichen. Wie im Titel gesagt, sollen statistische Themen in diesem Blog eine wichtige Rolle spielen. Das „mehr“ im Titel deutet an, daß ich auch über andere Themen schreiben werde. Der Grund ist, daß sie mich interessieren und davon auszugehen ist, daß ca. 12 Leute das ebenfalls interessieren dürfte. Wer die angesprochenen Themen vertiefen möchte, ist jederzeit willkommen.