Archive for the ‘Deming’ Category

Deming-Philosophie im Film (1)

Donnerstag, 10. März, 2011

Zur Erläuterung der Deming-Philosophie gibt es mehrere Hilfsmittel wie das Red Bead Experiment oder das Funnel Experiment. Neben diesen Mitteln kann man auch Fallbeispiele verwenden, an denen man darlegen kann, welche Prinzipien Demings befolgt oder vielmehr nicht befolgt worden sind. Auch in diversen Spielfilmen kann man – auch wenn das von den Machern nicht vorgesehen war – solche Beispiele finden. Aus diesem Grund werde ich sie in unregelmäßigen Abständen vorstellen.

Den Anfang macht der Film „Der Zerstreute“. In seinem Regiedebüt verkörpert Pierre Richard den Werbefachmann Pierre Malaquet. Bei seiner Arbeit steht im neben einer Vorliebe für makabere Inhalte die erwähnte Zerstreutheit im Wege.

In der folgenden Szene soll Pierre Werbung für das neueste Produkt von Clistax machen, einem Beutel für Tüten. Für dieses revolutionäre Produkt hat er eine ebenso revolutionäre Kampagne ersonnen. Die Einwohner von Paris erfahren eines Morgens übers Radio von einem Preisausschreiben, in dem sie besagten Beutel mit Tüten gewinnen können. Dazu befinden sich in der Stadt verteilt mehrere Repräsentanten von Clistax mit einem Ei in der Hand. Wenn es einem Teilnehmer gelingt, einem Clistax-Mann mit dem Ruf „Bravo Clistax!“ ein Ei auf dem Kopf zu zerschlagen, erhält er einen Beutel von Clistax. Was danach geschah, ist hier zu sehen:

Im seinem System des umfassenden Wissen hat Deming an erster Stelle das Verständnis für ein System betont. Insbesondere sollte die Wirkung der Komponenten eines Systems aufeinander beachtet werden. Wenn dies unterlassen wird, etwa weil man zerstreut ist, kann sowas wie oben das Ergebnis sein.

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Hinweis auf W. Edwards Deming (anläßlich der Finanzkrise)

Mittwoch, 9. September, 2009

Vor ziemlich genau einem Jahr ging die Lehman Brothers Inc. pleite, ein wichtiger Meilenstein im Zuge der aktuellen Finanzkrise. Da in Kürze auch die Bundestagswahlen stattfinden, möchte ich aus diesem Anlaß auf die Lehren eines Mannes hinweisen, auf den der oft stapazierte Spruch „Hätte man bloß auf ihn gehört!“ auch nach kritischer Betrachtung tatsächlich zutrifft:

Im übrigen ist festzustellen, daß Demings Bücher „Out of the Crisis“ und „The New Economics“ nach wie vor nicht in deutscher Übersetzung vorliegen.

Umschreibung der Aufgaben des Managements

Sonntag, 3. August, 2008

John Hunter, Autor des Curious Cat Blogs für Management, veröffentlicht regelmäßig einen Blog-Karneval mit Links zu interessanten Blog-Beiträgen über Management. In seinem neuesten Karneval, welcher in seiner vollständigen Fassung bei Lean Blog beherbergt wird, sprang mir ein Satz ins Auge, welcher die Aufgaben des Managements besser umschreibt, als es die üblichen Stellenbeschreibungen je können:

„Die einzige Aufgabe des Managements ist es, eine Umgebung zu schaffen, wo Leute, welche sich selbst überlassen und unbeaufsichtigt sind, mit höchster Wahrscheinlichkeit in ein Verhalten verfallen, welches die Ziele der Organisation vorantreibt.“

Der Satz stammt von Dr. Stuart Rosenberg, CEO von Harvard Medical Faculty Physicians und bedeutet, daß die Leute die äußerlichen und innerlichen Voraussetzungen erhalten, damit deren Verhalten das gewünschte ist. Zu den innerlichen Voraussetzungen gehört auch das, was W. Edwards Deming als „pride of workmanship“ bezeichnet hatte. Auch Demings Forderung, Qualitätsmanagement nicht auf Kontrollen allein aufzubauen, findet sich in dem Satz wieder.

Wie aller guten Gedanken über das Management läßt sich dieser auch auf verwandte Felder wie Erziehung oder Regierung übertragen.

Schnellimbisse haben einen gesellschaftlichen Nutzen

Dienstag, 8. Juli, 2008

Der folgende Beitrag belegt, daß manche Ideen nicht durch gezieltes Suchen gefunden werden, sondern einem zufällig in den Schoß fallen, wenn man nach Material für ein anderes Thema sucht (in diesem Fall die besten niederländischen Schnellimbisse). Aus diesem Grund ist es ratsam, Fundstücke nicht von vorne herein links liegen zu lassen, sondern mit dem bisherigen Wissen zu verknüpfen.

Auf der Webseite des niederländischen Fachblattes für Hotel- und Gaststättengewerbe „Misset Horeca“ stieß ich auf einen Artikel, welcher die Überschrift „Mehr Aggression durch dichten Schnellimbiß“ trägt. Das Geheimnis dieser Überschrift liegt in einem Papier des Vlaardinger Ortsvereins der sozialistischen SP. Neben diversen Vorschlägen sprechen sich die Verfasser für längere Öffnungszeiten für Schnellimbisse aus. Grund dafür ist, daß Schnellimbisse unter der bestehenden Regelung nur eine halbe Stunde länger geöffnet haben als Discos und Cafés, welchen 2007 zugestanden wurde, eine halbe Stunde später zu schließen. Nach Ansicht der Verfasser reicht der Zeitraum von einer halben Stunde nicht aus, damit sich junge Leute nach einem Besuch bei letzteren noch etwas essen gehen können, was in Verbindung mit Alkohol und Langeweile zu Aggressionen und Vandalismus führe.

Diese Idee ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung des Verständnisses für das System, welches ein Element von W. Edwards Demings „System des umfassenden Wissens“ ist. In diesem Fall wird das Augenmerk nicht allein auf das Verhalten der Jugend gerichtet, sondern auch auf Faktoren, welche dieses Verhalten beeinflussen, und auf Lösungen, welche aus der Betrachtung dieser Faktoren folgen.

Gegen Lösungen wie die im Papier vorgeschlagene gibt es Vorbehalte, besonders im Zusammenhang mit den dahinter liegenden Gedankengängen. Die Einwände laufen darauf hinaus, daß das einzige Problem das asoziale Verhalten der Jugend ist, und daß diese die Pflicht hat, sich unter allen Umständen anständig zu benehmen. Würde man mit derartigen Maßnahmen einräumen, daß das Verhalten der Jugend von äußeren Faktoren beeinflußt wird, so würde ihnen das die Verantwortung für ihre Taten nehmen. Dazu ist folgendes anzumerken:

  1. Wenn man Maßnahmen wie längere Öffnungszeiten für Schnellimbisse einführt, muß das nicht bedeuten, daß Vorfälle wie Aggression oder Vandalismus als weniger schlimm empfunden werden. Etwaige Übeltäter können genauso verfolgt werden.
  2. Maßnahmen wie längere Öffnungszeiten stellen auch ein Signal dar, daß die Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Jugend ernst genommen werden und sie somit als Mitglied der Gesellschaft anerkannt werden.
  3. Wenn die Faktoren, welche zu Aggression oder Vandalismus beitragen, vermindert werden, bedeutet dies, daß eine konkrete Tat schlimmer ist, da davon auszugehen ist, daß sie weniger wahrscheinlich hätte geschehen dürfen.

Die Einführung längerer Öffnungszeiten ist letztendlich ein Beispiel für die Schaffung einer Win-Win-Situation.

Umgang mit Problemen der Mitarbeiter

Mittwoch, 11. Juni, 2008

In einem Beitrag der Lean Six Sigma Academy wird eine Umfrage unter Arbeitnehmern erwähnt. Die näheren Einzelheiten der Umfrage sind nicht bekannt, aber dem Schaubild zufolge ist anzunehmen, daß die Mitarbeiter danach gefragt wurden, welches das größte Hindernis bei der Erfüllung ihrer Aufgaben ist. 39 % der Befragten gaben an, daß das größte Hindernis zuviel Arbeit ist, welche sie in der gegebenen Zeit nicht erledigen können. Die Frage ist, was man mit diesem Ergebnis anfangen soll.

Eine populärer Ansatz lautet, daß das Problem der nicht rechtzeitig ausgeführten Arbeit auf die mangelnde Leistung der Mitarbeiter zurückzuführen ist. Der Grund für die mangelnde Leistung der Mitarbeiter ist deren schlechte Einstellung. Im Beitrag wird eine andere Denkweise präsentiert.

Das am zweithäufigsten von den Mitarbeitern genannte Hindernis waren unklare Aufgabenstellungen. Der Verfasser des Beitrages kommt zu dem Schluß, daß somit ein Fall von Muri (jap. Begriff für Überlastung der Ressourcen) vorliegt. Nach seiner Auffassung können einfache Formen der Standardisierung Klarheit bei den Aufgaben schaffen und somit die Belastung der Arbeitnehmer verringern.

Der Vorschlag des Verfassers stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. In den Kommentaren wendet ein Leser ein, daß die Angaben der Arbeitnehmer darauf hinweisen, daß diese die Verantwortung von sich weisen. Dazu ist folgendes anzumerken:

  • In der Umfrage wurde offensichtlich nach Hindernissen gefragt. Diese dürften unabhängig vom Einsatzwillen und vom Verantwortungsbewußtsein der Mitarbeiter bestehen.
  • Die Leistungen eines Betriebes hängen nicht nur von den Eigenschaften der Mitarbeiter ab, sondern sind das Ergebnis des Zusammenwirken der Arbeitnehmer mit den Arbeitsbedingungen. Laut W. Edwards Deming sind die Arbeitsbedingungen zu 94 % für die Leistungen zuständig, was auf einen nicht unerheblichen Faktor hinausläuft.
  • Um die Leistung eines Betriebes entscheidend verbessern zu können, ist die Nutzung des Wissens und der Beobachtungen der Mitarbeiter unerläßlich.

Für jeden, der sich ernsthaft mit dem Qualitätsmanagement in seinem Betrieb auseinandersetzen will, stellen sich somit zwei Fragen:

  1. Wie werden Schwierigkeiten beim Erfüllen der Aufgaben interpretiert?
  2. Gegeben dieselben Mitarbeiter: Sind die Arbeitsbedingungen tatsächlich so beschaffen, daß die Mitarbeiter tatsächlich ihre beste Leistung abliefern können? Wenn ja: Wie weiß man das?

Wissen ist Macht – Nichtwissen bringt Macht

Freitag, 23. Mai, 2008

Seit kurzem wird das Bild von der „Generation Doof“ beschworen, welche sich durch einen eklatanten Mangel an Allgemeinbildung auszeichnet und dies – einem Interview der Autoren des gleichnamigen Buches zufolge – als Lebenstil betrachtet. Während sich für diese These zahlreiche Beispiele finden lassen, dürfte das eigentliche Problem sein, daß es an der Erwerbung und Umsetzung von Wissen mangelt. Um es an der ersten Hälfte der Überschrift zu veranschaulichen: Macht ist nur dann Macht, wenn sie ausgeübt wird oder zumindest ausgeübt werden kann.

Es klingt zwar seltsam, aber eine unbedingte Nachfrage an Wissen und Intelligenz scheint es nicht zu geben. Dies beginnt schon in der Schule, wo Hochbegabte Probleme im sozialen Umfeld bekommen können. Ein Beispiel dafür habe ich in einer Fernsehreportage über hochbegabte Kinder mitverfolgen können, wo ein Junge aus der „normalen“ Schicht sinngemäß sagte, daß diese Kinder deswegen zu Außenseitern werden, weil sie sich nicht in die Gemeinschaft einfügen würden. Darüber mag sich jeder seinen Teil denken.

Beim Start ins Berufsleben stellt sich das nächste Problem ein. Sofern ein Universitätsabsolvent trotz mangelnder Berufserfahrung einen Job erhält, kann es vorkommen, daß er das im Studium erlernte Spezialwissen, welches einen Großteil der Faszination am Studienfach ausmachte, nicht anwenden kann. Über dieses Phänomen wurde schon vor ca. 15-20 Jahren berichtet, und bis heute scheint sich nichts daran geändert zu haben. Daß das Spezialwissen aus dem Hauptstudium so wenig nachgefragt wird, bedeutet nicht, daß eine eventuelle Umsetzung in der Praxis sich nicht lohnen würde oder zumindest das bestehende Wissen ausweiten würde. Daß besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen noch viel Potential für Wissensmanagement besteht, macht ein Beitrag deutlich, welcher die wesentlichen Aspekte zusammenfaßt. Wer immer noch zweifelt, dem empfehle ich eine Beschäftigung mit Kaizen. Die Webseite Gemba Panta Rei ist eine gute Quelle für das erstaunliche Potential, was in einem Betrieb vorhanden ist. Die Übernahme der Philosophie der beständigen Verbesserung dürfte auch das leidige Thema der Berufserfahrung in den Hintergrund rücken.

Einen Ausweg aus dieser Misere liefert einmal mehr W. Edwards Deming. In einem Beitrag wurde ein bisher unbekanntes Deming-Zitat enthüllt. Es ist zwar nicht unbedingt ein zitierfähiges Zitat, aber ein Satz, welchen Deming nach Meinung des Verfassers häufiger als meisten Menschen gebraucht hatte:

„Ich weiß es nicht.“ (im Original: „I don´t know.“ )

Dies beschreibt zwar auch den Zustand der Generation Doof, es gibt aber wesentliche Unterschiede:

  • Deming hatte diesen Satz verwendet, um damit auszusagen, daß er über eine bestimmte Sache nicht Bescheid weiß. Bei der Generation Doof kommt so ein Eingeständnis weniger vor (für ihre Mitglieder wirkt es sich in der Regel eher nachteilig aus).
  • Die Tatsache, daß Deming zu einem gegebenen Zeitpunkt über etwas nicht Bescheid wußte, bedeutete nicht, daß dies auch so blieb. Es kam z.B. vor, daß er zwei Jahre später in seinen Seminaren die Antwort lieferte. Er war also – mit über 80 – bestrebt, bestehende Wissenslücken zu schließen. Nach allgemeiner Auffassung ist das ihm Zeit seines Lebens gelungen.

Die Lösung für den „Niedergang“ besteht also darin, aus der „Generation Doof“ eine „Generation Klüger“ zu machen. Der Weg dazu besteht in der Schaffung von Nachfrage und Möglichkeiten:

  • Es sollte das Potential ausgeforscht werden, welche die Anwendung von Wissen in Beruf und Alltag haben kann (es ist mehr als gedacht vorhanden).
  • Anwendung, Erweiterung und Erneuerung des Wissen sollten gewürdigt werden.
  • Ebenso sollte das Eingeständnis von Unkenntnis nicht zum Nachteil gereichen, sofern ausgemacht ist, daß die Wissenslücken geschlossen werden.
  • Es sollte erkannt werden, daß es einen Unterschied gibt zwischen der augenblicklichen Form und dem Potential, was einer hat, und daß dies für jeden gilt, anstatt nur für eine „Elite“.
  • Daraus folgt, daß Verbesserung für jeden gut ist (so wie ein vernünftiger Sportunterricht nicht nur den Olympioniken nützt, sondern auch den schwankenden Gestalten zu besserer Form verhelfen kann).
  • Für die Nutzung von Wissen sollten Möglichkeiten geschaffen werden (durch Bibliotheken, im Internet, durch Kaizen-Strukturen im Betrieb usw.).

Die Hauptsache ist, daß das Problem nicht bloß per Generalverdacht auf einen minderwertigen Charakter der Jugend zurückgeführt wird, sondern daß auch überlegt wird, wieso die beklagten Zustände überhaupt erst entstanden sind.

Oliver Kalkofe hat den statistischen Verstand

Freitag, 16. Mai, 2008

Der „konstruktive Medienkritiker“ Oliver Kalkofe hat laut seinem Lebenslauf eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten und Wirtschaftsdolmetscher in Englisch und Französisch absolviert. In seiner Fernsehsendung „Kalkofes Mattscheibe“ führt er schlechtes Fernsehen vor und zeigt mit sehr deutlichen Mitteln, was er davon hält. Dieselben Mittel in Form eines ausgesuchten Wortschatzes verwendet er auch in seiner Kolumne „Kalkofes letzte Worte“, welche in der Fernsehzeitschrift „TV Spielfilm“ erscheint. Besonders in diesen Kolumnen wird deutlich, daß hinter seinen typischen Formulierungen eine Fülle an durchdachten Gedanken steckt.

In einer der jüngsten Kolumnen setzt er sich mit der Tendenz im Fernsehen auseinander, auf Innovation zu verzichten und stattdessen altbewährte Formate zu produzieren, weil sie nachgewiesenermaßen bisher Erfolg hatten (eine Kritik, die auch Gore Verbinski im Zusammenhang mit Videospielen geäußert hat). Dabei merkt Kalkofe an, daß die Verantwortlichen sich auf Statistiken stützen, welche darlegen, welche Faktoren – im untersuchten Zeitraum – zum Erfolg geführt haben. Er gibt zu bedenken, daß ein neues Format besser beim Publikum ankommen kann als ein übernommenes:

„Der maximale Effekt beim Gewinnen der Publikums-Sympathie ist nun mal nicht die Wiederholung, sondern die Überraschung! Der Zuschauer lässt sich in erster Linie begeistern von dem was NEU ist und von dem er vorher noch gar nicht wusste, dass es das überhaupt geben würde.“

Dieser Ansatz spiegelt sich bekanntlich auch im Kano-Modell wieder, wo eine Gruppe von Eigenschaften eines Produktes oder Dienstleistung, die „Erfreuer“ (engl. delighter), beim Kunden überproportional ankommen. Diese Erfreuer werden von Kunden nicht erwartet. Im Zusammenhang mit dem Umgang mit den Zuschaueranalysen kommt Kalkhofe zu einer der ultimativen Weisheiten über die Statistik:

„Die tollste Statistik kann … nur helfen, wenn man nicht zu blöd ist, sie auch richtig zu lesen.“

Besser hätte man das nicht ausdrücken können. Man kann wohl davon ausgehen, daß Oliver Kalkofe kein Experte in statistischen Methoden ist. Trotzdem ist er durch bloße Betrachtung der Programmgestaltung zu dieser Erkenntnis gekommen. Nebenbei bemerkt, kann besagte Unkenntnis nicht als Argument dafür genommen werden, daß Kalkofes Erkenntnis falsch ist.

In der Kolumne äußert Kalkofe noch eine weitere Kritik, welche noch über die entsprechende Kritik von Verbinski hinausgeht. Seiner Meinung nach haben vom Ausland übernommene deutsche Fernsehformate das Problem, daß sie Kopien der Originale darstellen, jedoch „ohne das, was das jeweilige Original eben überraschend oder überragend machte“. Ein anschauliches Beispiel aus der jüngsten Zeit ist die Fernsehserie „Das iTeam – die Jungs an der Maus“, welche eine Kopie der britischen Serie „The IT Crowd“ ist. Die deutsche Serie wurde nach zwei Folgen aus dem Programm genommen, aber glücklicherweise gibt es im Internet Vergleiche zwischen einzelnen Szenen wie in dieser Video-Kritik (so daß es einem glücklicherweise erspart bleibt, sich die Serie selber anzusehen). Man muß sich unweigerlich fragen, ob die Fernsehmacher bei ihren Werken sich überhaupt vergewissern, ob ihre Sendungen die beabsichtigte Wirkung beim Zuschauer überhaupt haben.

Lesern der Literatur von und über W. Edwards Deming ist dieses Phänomen wohlbekannt. Dort ist das klassische Beispiel vom Möbelhersteller zu finden, welches Klaviere herstellen wollte und zu diesem Zweck ein Klavier kaufte und auseinandernahm. Die so hergestellten Klaviere waren perfekte Kopien mit der Ausnahme, daß sie nicht spielen konnten (wie auch das Originalklavier, welches zwecks Rückgabe wieder zusammengebaut wurde). Ein weiteres Beispiel handelte von kopierten Kopiergeräten, welche nicht kopieren konnten.

Kalkofes Kolumne zeigt, daß wichtige Erkenntnisse (korrekter Umgang mit Statistik, Bedeutung von Innovation) auch von Leuten gemacht bzw. übernommen werden können, welche nicht aus dem Fachgebiet kommen (in diesem Fall Statistik bzw. Betriebswirtschaft).

Es gibt keinen Ersatz für einem zweiten Eindruck

Donnerstag, 8. Mai, 2008

„Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.“ – beliebter Spruch

Der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert hat regelmäßig darüber geschrieben, welches Erlebnis es darstellt, einen Film das erste Mal zu sehen. Während ich seine Meinung grundsätzlich teile, möchte ich in diesem Beitrag darüber schreiben, was es bedeuten kann, einen Film das zweite Mal (oder öfter) anzusehen. Vielleicht bin ich schwer von Begriff, aber bei manchen Filmen sehe ich Dinge erst, wenn ich sie mir öfter ansehe.

Als seinerzeit der Film „Pulp Fiction“ in den Kinos lief, bekam ich vorab schon zu hören, daß es ein besonderer Film sein soll, was z.B. an der Tatsache festgemacht wurde, daß es einen Comeback von John Travolta darstellte. Auf dem ersten Blick habe ich dann auch den Eindruck gewonnen, daß es ein interessanter Film ist. Aber erst, nachdem ich ihn nochmal im Fernsehen angesehen habe, fügten sich bei mir die Eindrücke zusammen und konnte ich alles nochmal studieren, so daß sich mir der Film immer mehr erschloß.

Das gleiche gilt auch für „Der Schuh des Manitu„. Jedesmal, wenn ich mir den Film ansehe, fällt mir die Hingabe zum Detail auf, mit welcher der Film gemacht wurde und die nicht unbedingt selbstverständlich ist. Dies ist offensichtlich ein Markenzeichen des Regisseurs Michael „Bully“ Herbig, denn in seinen anderen Werken kann diese Hingabe auch festgestellt werden.

Daß man nicht nur einen Aspekt eines Filmes immer mehr kennenlernen kann, sondern auch verschiedene Aspekte, habe ich während meiner Studienzeit mitbekommen. Bei einer Fete haben sich meine Mitstudenten über den Film „9 1/2 Wochen“ unterhalten. Dabei kam zur Sprache, daß einem, nachdem man sich den Film fünfmal angesehen hat, immer andere Sachen aufgefallen sind.

Insgesamt kann man davon ausgehen, daß je öfter man sich einen Film ansieht, einem neben dem, über was ein Film handelt, immer mehr bewußt wird, wie es darüber handelt. Dies ist laut Roger Ebert das entscheidende Kriterium, um einen Film zu beurteilen. Außerdem hat er mal festgestellt, daß jeder große Film jedesmal, wenn man ihn sieht, neu erscheinen sollte.

In diesem Zusammenhang sollte man überlegen, ob der Spruch vom Anfang dieses Beitrages der Weisheit letzter Schluß ist. Nicht umsonst hatte W. Edwards Deming in seinem Konzept der beständigen Verbesserung auch eine entsprechende Verbesserung des Wissen einbezogen. Die Vorstellung, daß man eines Tages sämtliches Wissen erfassen kann, war ein Konzept aus dem 19. Jahrhundert. Daß man im 21. Jahrhundert immer noch davon ausgeht, ist zwar möglich, aber trotzdem verkehrt. Wissen muß ständig vervollständigt, ausgeweitet und ergänzt werde.

Bitte nicht den Lokführer hauen

Montag, 5. Mai, 2008

Vor einigen Jahren war in der tz München folgender Bericht zu lesen:

„Wilder Richter verletzt Lokführerin (29) schwer.“

Regelmäßig gibt es Vorfälle, wo Lokführer beschimpft, körperlich angegriffen oder sonstwie den Aggressionen von Fahrgästen ausgesetzt sind, meistens wegen Verspätungen.

Auf der einen Seite sind Verspätungen, besonders wenn sie regelmäßig vorkommen oder durch sie die persönliche Terminplanung über den Haufen geworfen wird, äußerst ärgerlich. Auf der anderen Seite – abgesehen davon, daß Aggressionen nicht unbedingt eine zivilisierte Umgangsform darstellen – ist der Lokführer nicht 100 Prozent frei in seinen Handlungen, sondern muß auf Signale reagieren, die ihrerseits durch den Fahrplan bzw. den bestehenden Betriebsablauf bestimmt werden. Aus diesem Grund kann der Lokführer nicht allein für die Verspätungen verantwortlich gemacht werden, sondern nur zu einem geringen Teil. Zum Glück scheint es doch einige Leute zu geben, welche sich dieser Umstände bewußt sind und sich somit mit Aggressionen zurückhalten (und weil sie sich irgendwelchen Anstand angeeignet haben).

Während bei es bei Lokführern offensichtlich ist, daß sie an Weisungen gebunden sind und mit dem zur Verfügung stehenden Material auskommen müssen, wird mit anderen Arbeitnehmern weniger gnädig umgegangen. Sie müssen für Probleme, welche auftreten, die Verantwortung übernehmen. Das Problem dabei ist, daß die Leistungen Arbeitnehmer von der Unternehmenskultur und -politik sowie dem Arbeitsplatz und den Materialien abhängig ist. Aus diesem Grund hat W. Edwards Deming festgestellt, daß das System für 94 Prozent aller Leistungen verantwortlich ist. Wenn der Arbeitnehmer 100 Prozent aller Verantwortung übernehmen muß, dann geht das an den Zusammenhängen vorbei. Besonders schlimm wird es, wenn der Arbeitnehmern die Kompetenzen fehlen, um Verbesserungen am System zu bewirken, z.B. indem sie Informationen über Probleme an ihrem Arbeitsplatz weiterleiten können.

Der Weisung „Bitte nicht den Lokführer hauen“ dient somit neben ihrer eigentlichen Bedeutung auch als Slogan, um eine verbesserungsfreudige Unternehmenskultur zu schaffen.

Spielen Sie im Betrieb Tabu

Freitag, 25. April, 2008

Im Jahr 1989 veröffentlichte die Firma Hasbro das Spiel Tabu. Bekanntlich muß dort ein Mitspieler einen Begriff so umschreiben, daß er durch seine Mannschaft erraten werden kann. Das ist an sich nicht schwer, der Haken bei Tabu ist aber, daß die fünf offensichtlichsten Stichworte nicht benutzt werden dürfen, also „tabu“ sind.

Dieses Prinzip kann man gelegentlich auch auf die Ideenfindung übertragen, wenn z.B. eine Arbeitsgruppe Maßnahmen zur Verbesserung der Betriebsabläufe zu entwicklen hat. Indem die offensichtlichsten Begriffe bewußt weggelassen werden, richtet sich der Blick auf Bereiche, welche sonst nicht beachtet werden, da ihnen im Betriebsalltag weniger Priorität zugewiesen wird.

Ein weiterer Aspekt ist, daß bei den nicht offensichtlichen Bereichen die Bedeutung für den Betrieb und den Kunden ebenfalls nicht so offensichtlich ist. Zum einen liegt das daran, daß diese Bereiche bisher eben nicht so beachtet worden sind. Zum anderen definiert sich der Betrieb über die offensichtlichen Bereiche wie z.B. Arbeitszeit oder ein Hauptprodukt. Dies kann dazu führen, daß diese definierenden Bereiche auf Kosten der Gesamtqualität optimiert werden, was laut W. Edwards Deming ein schwerer Fehler ist. Indem bei bisher nicht beachteten Bereichen erst über die Bedeutung für das Unternehmen und den Kunden nachgedacht werden muß, liefert dies eine gute Gelegenheit, um das Bewußtsein für ein System zu entwickeln. Dieses Bewußtsein läßt sich dann auch auf die üblichen Prioritäten übertragen.

Mit diesem Vorschlag soll nicht behauptet werden, daß in Zukunft die wichtigen Dinge im Betrieb nicht beachtet werden sollen. Jedoch dürfte es nützlich sein, wenn man ab und zu auch die als weniger wichtig eingestuften Dinge betrachtet. Da dies im Normalfall nicht geschieht, ist ein bewußtes Herangehen erforderlich.