Archive for April 2008

Fehler bei Kaufland

Mittwoch, 30. April, 2008

Um eines vorab klarzustellen: Als Kaufland vor zwei Jahren bei mir in der Nähe eine Filiale eröffnete, war das für mich eine gute Nachricht, da es damit wenige Blocks von mir entfernt endlich einen großen Supermarkt gab. Neben dem Angebot sind auch die Öffnungszeiten (bis 22 Uhr!) eine tolle Sache. Ich gehe zwar sonst nicht so spät einkaufen, es ist aber schön zu wissen, daß es die Möglichkeit dazu gibt. Grundsätzlich bin ich mit Kaufland voll zufrieden.

Der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe, ist, daß es in der bewußten Filiale einige Sachen gibt, die verbesserungswürdig sind. Damit meine ich, daß sie bei Gelegenheit verbessert werden sollten, da sie zur Zeit Probleme darstellen und weil es zur den Aufgaben einer Firma unter anderem gehört, besser zu werden. Zu den Problemen:

  • Die Klimaanlage scheint nicht so gut zu funktionieren. Insbesondere an warmen Tagen kann sie nicht für ausreichend frische Luft sorgen. Das habe ich auch aus Gesprächen zwischen anderen Leuten im Supermarkt mitbekommen.
  • An den Einkaufswagen ist eine Nummer angebracht, welche die Verkäuferinnen in die Kasse eingeben müssen. Das Problem dabei ist, daß die Nummer direkt über dem Hinterrad angebracht ist, so daß man mit dem Wagen entweder vor der Kasse oder am Ende stehenbleiben und die Verkäuferin aufstehen und sich hinüberbeugen muß, um die Nummer lesen zu können.
  • Die Pfandrückgabe erfolgt durch Automaten, in welche man jede Flasche oder Kasten, für welchen es Pfand gibt, eingeben kann und dann einen Zettel mit dem zu erstattenden Betrag bekommt. An sich eine gute Sache, jedoch fangen die Probleme damit an, daß der Automat einen Strichcode lesen muß, um erkennen zu können, daß die Flasche angenommen werden kann. Dafür muß er die Flasche mehrmals hin- und herdrehen. Selbst wenn man eine gut erhaltene Flasche mit einem gut lesbaren Strichcode richtig eingeführt hat, kann es vorkommen, daß der Code nicht erkannt wird und man die Flasche nochmal einführen muß (mein Eindruck ist, daß man die Flasche am besten so einführt, daß sich der Strichcode auf der 1-Uhr-Position befindet, da der Laser an der Stelle auf die Flasche trifft – die Sache wäre durchaus einer näheren Untersuchung wert). Hinzu kommt, daß es zwar drei Automaten gibt, aber die Container, wo die Flaschen gesammelt werden, irgendwann voll werden. Dann fällt der zugehörige Automat weg, aber es kommen weiterhin Kunden, welche Flaschen zurückgeben möchten. Dies führt zusammen mit anderen Pannen dazu, daß es vor den Automaten öfters einen Stau gibt. Das ist ziemlich ärgerlich, und es kam einmal fast zu einer Schlägerei zwischen zwei Kunden, die sich nicht darüber einigen konnten, wie sie sich anstellen mußten.

Aus den Schilderungen sollte hoffentlich deutlich geworden sein, daß Kaufland nicht unbedingt die Alleinschuld an diesen Problemen hat. Jedoch wäre es gut, wenn die Probleme als solche registriert werden und auf deren Beseitigung hingewirkt wird. Deshalb habe ich auch bewußt Fälle genannt, die alltäglich zu erleben sind. Ein Erlebnis wie zwischen Weihnachten und Neujahr, als es an den Kassen einen Stau gab, der bis an das andere Ende des Supermarktes reichte, ist zwar auch ein Ärgernis, dürfte aber eher auf besondere Umstände zurückzuführen sein (welche man aber trotzdem nachgehen sollte).

Nachtrag (6.10.08):
Inzwischen hat bei Kaufland ein Umbau stattgefunden, und die Automaten für die Pfandrückgabe wurden durch eine normale Abgabestelle mit menschlichen Mitarbeitern ersetzt. Manche Ereignisse sagen doch mehr aus als tausend Worte.

Umkreisung am Beispiel der Kurzgeschichte „Känsterle“

Freitag, 25. April, 2008

Kurz nachdem ich meinen Beitrag über den Umgang mit Bedenkenträgern verfaßt hatte, erinnerte ich mich an eine Begebenheit aus meiner Schulzeit. Einmal (ich glaube, es war in der 8. Klasse) mußten wir in der Klasse eine Interpretation der Kurzgeschichte „Känsterle“ des schweizer Schriftstellers Rainer Brambach schreiben. Um das folgende zu verstehen, empfiehlt sich die Lektüre des Werkes (sie steht unter anderem hier online zur Verfügung) und ein paar kurze Überlegungen über die Handlung. Meines Erachtens lohnt es sich, die Kurzgeschichte auch sonst zu lesen.

Nach der Benotung der Interpretation stellte sich heraus, daß viele in unserer Klasse entweder dem Mann oder der Frau die Schuld am Ausgang der Geschichte gaben. Für solche Urteile sprang höchstens eine 3 heraus. Was wir hier vorliegen hatten, war ein Beispiel für eine Umkreisung des Themas (Punkt 9 in der Liste der 10 Arten des Bedenkens nach Shingo). Die meisten in unserer Klasse hatten die Geschichte nur aus einem Blickwinkel betrachtet. Hätte man mehrere Blickwinkel verwendet, hätte man zu einem kompletteren Urteil gefunden.

Interessant war, wie die einseitigen Blickwinkel verteilt waren. Es stellte sich heraus, daß die meisten Jungs der Frau die Schuld gaben, während die meisten Mädchen dem Mann die Schuld gaben. Dies war eine interessante Erkenntnis, aus der man etwas hätte lernen können, wenn man ihr weiter auf dem Grund gegangen wäre. Leider wurde anschließend weiter der Bildungsauftrag befolgt.

Spielen Sie im Betrieb Tabu

Freitag, 25. April, 2008

Im Jahr 1989 veröffentlichte die Firma Hasbro das Spiel Tabu. Bekanntlich muß dort ein Mitspieler einen Begriff so umschreiben, daß er durch seine Mannschaft erraten werden kann. Das ist an sich nicht schwer, der Haken bei Tabu ist aber, daß die fünf offensichtlichsten Stichworte nicht benutzt werden dürfen, also „tabu“ sind.

Dieses Prinzip kann man gelegentlich auch auf die Ideenfindung übertragen, wenn z.B. eine Arbeitsgruppe Maßnahmen zur Verbesserung der Betriebsabläufe zu entwicklen hat. Indem die offensichtlichsten Begriffe bewußt weggelassen werden, richtet sich der Blick auf Bereiche, welche sonst nicht beachtet werden, da ihnen im Betriebsalltag weniger Priorität zugewiesen wird.

Ein weiterer Aspekt ist, daß bei den nicht offensichtlichen Bereichen die Bedeutung für den Betrieb und den Kunden ebenfalls nicht so offensichtlich ist. Zum einen liegt das daran, daß diese Bereiche bisher eben nicht so beachtet worden sind. Zum anderen definiert sich der Betrieb über die offensichtlichen Bereiche wie z.B. Arbeitszeit oder ein Hauptprodukt. Dies kann dazu führen, daß diese definierenden Bereiche auf Kosten der Gesamtqualität optimiert werden, was laut W. Edwards Deming ein schwerer Fehler ist. Indem bei bisher nicht beachteten Bereichen erst über die Bedeutung für das Unternehmen und den Kunden nachgedacht werden muß, liefert dies eine gute Gelegenheit, um das Bewußtsein für ein System zu entwickeln. Dieses Bewußtsein läßt sich dann auch auf die üblichen Prioritäten übertragen.

Mit diesem Vorschlag soll nicht behauptet werden, daß in Zukunft die wichtigen Dinge im Betrieb nicht beachtet werden sollen. Jedoch dürfte es nützlich sein, wenn man ab und zu auch die als weniger wichtig eingestuften Dinge betrachtet. Da dies im Normalfall nicht geschieht, ist ein bewußtes Herangehen erforderlich.

Wie geht man mit Bedenkenträgern um?

Donnerstag, 24. April, 2008

Für den Fortschritt ist es wichtig, daß Ideen eingebracht und umgesetzt werden können. Beim Einbringen einer Idee können zu diesem Zeitpunkt geäußerte Bedenken dazu führen, daß die Idee nicht weiter verfolgt wird. Ein Grund dafür ist, daß Leute sich oft eine Arbeitsweise angewöhnt haben und diese nicht ändern möchten. Nicht umsonst lautet einer der häufigsten Sätze im Betrieb: „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Auf der anderen Seite kann es vorkommen, daß Ideen ohne Rücksicht auf Verluste durchgedrückt werden und Leute, welche Argumente gegen die Ideen vortragen, als Bedenkenträger und Störenfriede abgetan werden. In beiden Fällen werden wichtige Gelegenheiten für Verbesserungen verpaßt.

Der japanische Qualitätsexperte Shigeo Shingo hatte sich über dieses Problem schon früh Gedanken gemacht und Lösungen dafür in einem Buch veröffentlicht, welches in der japanischen Originalfassung schon 1958 veröffentlicht worden ist, aber erst seit dem letzten Jahr in einer englischen Übersetzung vorliegt. Kapitel 5, aus welchem die folgende Liste stammt, befaßt sich mit der Realisierung von Ideen.

Laut Shigeo Shingo lassen sich Bedenken in folgende 10 Kategorien einteilen:

  1. Bedenken aufgrund von Sonderfällen: Es werden Probleme geäußert, welche sich im Normalfall nicht ergeben, so daß sie in Wahrheit wenig Auswirkungen haben.
  2. Bedenken aufgrund Rosinenpickens bzw. Erbsenzählens: Es werden nur die guten Seiten des Status Quo bzw. nur die schlechten Seiten der Idee geäußert.
  3. Bedenken aufgrund falscher Maßstäbe: Wie das Potential einer Idee aussieht, hängt vom angelegten Maßstab bzw. den verwendeten Größen ab.
  4. Bedenken aufgrund von unvollständigen Beweisen: Einzelheiten, welche für eine Beurteilung wichtig sind, werden ausgelassen.
  5. Bedenken aufgrund eines falschen Kontextes: Eine Aussage wird so überliefert, daß sie eine andere Bedeutung enthält als die ursprüngliche.
  6. Bedenken aufgrund des Huhn-oder-Ei-Problems: Eine beliebte Diskussion lautet, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war. Allgemein gesprochen wird darüber diskutiert, ob A von B verursacht wurde oder umgekehrt, wobei für beide Annahmen Argumente vorliegen.
  7. Bedenken aufgrund des Kaulquappen-Problems: Aus Kaulquappen entwicklen sich bekanntlich am Ende zu Fröschen. Trotzdem können sie in ihrem Kaulquappenstadium nicht mit Fröschen verglichen werden. Somit wird eine Entwicklung über die Zeit – wie bei Ideen im Versuchsstadium – übersehen.
  8. Bedenken aufgrund Schiefblickens: Es wird eingeräumt, daß man grundsätzlich für Verbesserungen ist, jedoch wird die aktuelle Idee (meist aufgrund eines Details) grundsätzlich für nicht umsetzbar befunden. Shigeo Shingo bezeichnete dies als die beliebteste Form des Bedenkens.
  9. Bedenken aufgrund Umkreisung: Eine Sache wird von einem anderen Blickwinkel betrachtet, so daß sich eine andere Sichtweise und somit eine andere Bewertung ergibt.
  10. Bedenken aufgrund Ausweichens: Bei einer Idee wird ein Problem angesprochen, welches gegen diese Idee spricht. Findet sich für das Problem eine Lösung, wird ein anderes Problem angesprochen.

Shigeo Shingo unterschied in der Bewertung von Ideen zwischen dem Managers- und dem Ingenieursinstinkt. Während der Manager Ideen nur dann Ideen aufgreift, wenn eine 100 % perfekte Umsetzung vorliegt, erprobt der Ingenieur jede Idee, sobald nur die geringste Aussicht auf Erfolg besteht, und führt im Verlauf eventuelle Verbesserungen durch. Daher sollten Ideen nicht durch Bedenken verhindert werden.

Auf der anderen Seite wird bei einer Betrachtung der 10 Kategorien deutlich, daß die geäußerten Bedenken meistens ein Zeichen dafür sind, daß das vorliegende Wissen nicht vollständig ist. Man sollte auch berücksichtigen, daß ein problematisches Detail bei der Umsetzung einer Idee nicht gegen die Idee selbst spricht, sondern nur gegen das Detail. Wird das Detail bei der Umsetzung der Idee berücksichtigt, so steigt die Aussicht, daß die Idee Erfolg hat. Aus diesem Grund befand Shingo, daß nur 1 Prozent der geäußerten Bedenken auf Inkompetenz oder bösem Willen zurückzuführen sind. Die restlichen 99 Prozent stellen sich als Ratschläge heraus.

Somit sollte die Beurteilung von Ideen und Bedenken unter dem Gesichtpunkt erfolgen, daß Verbesserungen überhaupt erprobt und so gut wie möglich umgesetzt werden können. Bedenken und die Leute, welche sie äußern, können unter diesem Gesichtspunkt in die Arbeit eingebunden werden.

Eine Theorie und der Versuch, sie zu beweisen

Dienstag, 22. April, 2008

Die Theorie: Die ehemalige niederländische Integrationsministerin Rita Verdonk ist schuld daran, daß die niederländische Fußball-Nationalmannschaft 2006 nicht Weltmeister wurde.

Der Beweis:

  1. Der von der Elfenbeinküste stammende Fußballspieler Salomon Kalou wollte die niederländische Staatsbürgerschaft erlangen, um bei der WM 2006 in Deutschland für die Niederlande spielen zu können.
  2. Für die übliche Einbürgerungsprozedur befand sich Kalou nicht lange genug in den Niederlanden.
  3. Eine beschleunigte Einbürgerung ist in den Niederlanden möglich, falls nationale Interessen dafür sprechen.
  4. Ministerin Verdonk sah diese nicht und verweigerte die Einbürgerung. Gegen eine positive Entscheidung eines Gerichtes legte sie Einspruch ein.
  5. Nach einem nicht bestandenen Einbürgerungstest erhielt Kalou die niederländische Staatsbürgerschaft nicht und kam somit nicht in die Nationalmannschaft.
  6. Bei der WM 2006 schieden die Niederlande im Achtelfinale gegen Portugal aus.

Somit ist die oben formulierte Theorie bewiesen.

Oder?

Kommen nur die Harten in den Garten?

Montag, 21. April, 2008

Ein wichtiges Thema unter den Arbeitgebern ist die Belastbarkeit der Arbeitnehmer. Laut einer Umfrage des Institutes der deutschen Wirtschaft Köln unter 763 Unternehmen zu den Schlüsselqualifikationen von Lehrstellenbewerbern wiesen im kaufmännischen Bereich 83 % der Befragten dem Kriterium „Belastbarkeit“ eine sehr wichtige Bedeutung zu. Im gewerblich-technischen Bereich war das für 94 % eine sehr wichtige Eigenschaft. Damit einher geht eine 100-prozentige Betonung der Wichtigkeit der „Einstellung zur Arbeit“ in beiden Bereichen sowie von Kriterien wie „Leistungsbereichschaft“ (100 bzw. 99 % befanden dies für „sehr wichtig“), „Zuverlässigkeit“ (97 % bzw. 98 %) oder „Konzentrationsfähigkeit“ (jeweils 97 %). Folglich ist einer der Gründe, welche laut einer anderen Umfrage zur Trennung von einem Bachelor führen können, die mangelnde Belastbarkeit.

Daß ein belastbarerer Mensch in einer gegebenen Situation mehr leisten kann, ist ein einleuchtendes Argument. Aus diesem Grund wird in der Klinsmann-Dynastie neben anderen Ideen und Umwälzungen auch der Grundsatz praktiziert, daß weniger die ausgiebige Regeneration als das gezielte Training der Grundlagen eine besser Belastbarkeit und Erholung gewährleistet. Dr. Tim Meyer, Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hat in einem Editorial geschrieben, daß das Motto von der „optimierten Regeneration“ ein medial transportierter Allgemeinplatz sei, welcher wissenschaftlich umstritten ist. In einem Artikel des Hamburger Abendblatts machte er seinen Standpunkt deutlich:

„Regeneration kann nicht darin bestehen, daß man nichts tut, man muß auch trainieren.“

Zu diesem Zweck werden die Sportler wissenschaftlich analysiert und individuell trainiert. Der erhöhte Fitneß-Level schützt im Nebeneffekt auch vor Verletzungen.

Eine beliebte Theorie lautet, daß man sich über Belastungen nicht beklagen sollte, da dies eine Form des Jammerns sei, welche als neue deutsche Untugend ausgemacht wurde. Daraus wird abgeleitet, daß man nichts an der bestehenden Belastung ändern, sondern mit ihr auskommen sollte. Eine Parallele dazu wäre, Schmerzen zu ignorieren. Dies ist aber ein zweischneidiges Schwert. Während man einerseits dadurch eine Schonhaltung vermeiden oder die vollständige Beweglichkeit nach einer Verletzung wiederhergestellen kann (Steigerung der Leistungsfähigkeit), besteht andererseits die Gefahr, daß sich eine Verletzung oder ein anderes Problem so verschlimmert, daß ein später auftretenden Schaden weitaus gravierender ausfällt und – wenn überhaupt – schwerer zu beheben ist. Somit ergibt sich das Paradoxon, daß man, um mit Problemen umgehen zu können, diese überhaupt erst wahrnehmen muß.

Wenn man einen Zusammenhang zwischen Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit herstellen will, dann muß man berücksichtigen, daß die Belastung eine Form des Energieverbrauches darstellt. Nun kann man beim Kauf eines Autos auf einen geringen Kraftstoffverbrauch achten. Dieser Vorteil wird jedoch aufgehoben, wenn man damit so durch die Gegend heizt, daß unnötig Benzin verschwendet wird. Auf das Berufsleben übertragen bedeutet dies, daß neben der Belastbarkeit des Arbeitnehmers auch seine Belastung über die Leistung entscheidet, und die Belastung wird durch den Arbeitgeber geregelt (wie auch – zum Teil – die Belastbarkeit). Ein Beispiel für diese Einsicht findet sich bei an einem Fließband bei Toyota, wo die Arbeiter den ganzen Tag damit beschäftigt sind, im Minutentakt Teile zu montieren, und daß sogar fehlerfrei.

Wird bei Toyota auf die Belastbarkeit der Arbeiter Wert gelegt? Sicher.

Sind die Arbeiter bei Toyota belastbarer bzw. haben sie eine bessere Einstellung bzw. Leistungsbereitschaft bzw. Zuverlässigkeit bzw. Konzentrationsfähigkeit? Kann sein.

Wurde diese Leistung dadurch erreicht, indem man nur auf die Belastbarkeit der Arbeiter usw. achtete? Nein!

Des Rätsels Lösung liegt darin, daß ein Arbeiter bei Toyota nicht den ganzen Tag wie Charlie Chaplin in „Moderne Zeiten“ dieselben Bewegungen macht, sondern alle zwei Stunden eine andere Arbeit verrichtet, welche andere Bewegungen und andere Kenntnisse erfordert. Auf diese Weise werden nicht nur einseitige Belastungen von Körper und Geist vermieden, sondern den Arbeitern gleichzeitig verschiedene Arbeitsbereiche nahegebracht. Dadurch erhalten sie die Motivation und die Gelegenheit, über ihren Job nachzudenken. Dieses Vorgehen wird mit „den Geist geschwind, den Körper geschmeidig halten“ sehr schön beschrieben. Die Miteinbeziehung der Arbeitsumgebung bei der Optimierung der Leistungsfähigkeit ist ein erfreulicher Gegenentwurf zum gerne propagierten Schlagwort von der „Kultur der Anstrengung“.

Nur die Harten kommen in den Garten? Dieser Spruch ist soweit richtig, aber weiter wird er falsch.

Vergißmeinnicht – die Postleitzahlen in den Niederlanden und Belgien (und dem Rest der Welt)

Mittwoch, 16. April, 2008

Aus den Suchanfragen, die zu meinem Blog führen, geht hervor, daß einige Leute auf der Suche nach Postleitzahlen in den Niederlanden sind. Aus diesem Grund gebe ich hier ein paar Links an, welche bei der Suche in den Niederlanden weiterhelfen dürften. Dazu Links zu den Postleitzahlen in Belgien und dem Rest der Welt.

Wer sich einen Überblick über die Postleitzahlen eines bestimmten Landes verschaffen möchte, der kann zum Wikipedia-Artikel über Postleitzahlen gehen. Von dort aus kann man zu mehreren Artikeln über internationale Postleitzahlsysteme gelangen. Wer dort zur jeweiligen Version der Landessprache geht, findet eine ausführlichere Beschreibung sowie eine Liste der Postleitzahlen oder ist nicht weit davon entfernt.

In der niederländischen Wikipedia kann man die Postleitzahlenliste der Niederlande finden. Wer zu einer bestimmten Adresse in den Niederlanden die Postleitzahl finden möchte oder zu einer Postleitzahl den Ort, der kann bei Postcode.nl in die Suchmaske den Ortnamen und die Straße bzw. die Postleitzahl (mit oder ohne Buchstaben – ohne Buchstaben werden alle untergeordneten Postleitzahlen ausgegeben) eingeben. Bei Eingabe des Ortsnamen alleine wird allerdings nur in Straßennamen gesucht, welche den eingegebenen Namen enthalten. Bei TNT Post, dem Nachfolger der staatlichen niederländischen Post, wird für die dortige Suchfunktion auf jeden Fall die Hausnummer benötigt sowie, falls einzugeben, die vollständige Postleitzahl.

Für Belgien gibt es in Wikipedia ebenfalls eine Liste der Postleitzahlen, sowohl auf Niederländisch als auch auf Französisch. Über die Webseite der belgischen Post gibt es ebenfalls eine Suchmöglichkeit.

Wer eine weltweite Übersicht haben möchte, der kann beim belgischen Internetverzeichnis 2link.be in der Übersicht über internationale Telefonbücher nachsehen. Dort gibt es zu den Ländern unter anderem auch weiterführende Links zu den jeweiligen Postleitzahlen (unter „postcodes“, „postal codes“, „postnummer“ oder ähnlichem).

Weisheit der Ahnen

Samstag, 12. April, 2008

Aus einem Artikel über ein Betriebssystem für Großrechner:

„Der allgemeine Datensicherungsmechanismus wird eher vom System als von dem individuellen Benutzer versehen, omdat hie betrouwbarer het systeem wordtdenn je zuverlässiger das System wird, desto mehr sieht sich der Benutzer außerstande, den zusätzlichen Aufwand (oder Sorgen), für den unwahrscheinlichen Fall eines Mißgeschickes zu versuchen, Vorkehrungen zu treffen, zu rechtfertigen. Daher benötigt der individuelle Benutzer eine Versicherung, und dies ist in der Tat, was zur Verfügung gestellt wird.“

Das im Artikel beschriebene Betriebssystem war Multics, ein Vorläufer von Unix. Der Artikel selbst stammt aus dem Jahr 1965! Man kann dieses Zitat durchaus als ein Beispiel für die These von W. Edwards Deming deuten, daß das System zu 94 Prozent für die Leistung verantwortlich ist und die individuellen Benutzer nur zu 6 Prozent. Außerdem kann man den Datensicherungsmechanismus als Beispiel für Poka-yoke, die japanische Kunst der Fehlervermeidung, deuten (für diese Kunst gibt es vielfältige Anwendungsmöglichkeiten).

Die Moral von der Geschichte: Auch wenn die beschriebene Technik nicht mehr aktuell ist (oder – nebenbei bemerkt – nicht zum Fachgebiet des Lesers gehört), können die zugrundeliegenden Prinzipen sehr wohl lehrreich sein.

Erster Ziel des Verbesserungsprozesses im Büro: Der Kaffee

Donnerstag, 10. April, 2008

Wenn ein Manager vom Schlagwort Kaizen und den damit verbundenen deutlichen Produktivitätssteigerungen erfahren hat, möchte er das unter Umständen auch in seiner Firma ausprobieren. Dabei stellt sich die Frage, wo man am besten mit dem Verbessern beginnen sollte. Da kam mir die Idee, daß in einem Büro der erste Verbesserungsprozeß den Kaffee betreffen könnte.

Dieser Vorschlag dürfte so manchen abstrus erscheinen. Schließlich ist die Kaffeemaschine in einem Büro generell eine Sonderausstattung für die Mitarbeiter und eventuelle Kunden, gehört aber in den seltensten Fällen zum Gemba der Firma. Die wörtliche Übersetzung von Gemba heißt zwar „der Platz, wo die Wahrheit gefunden wird“, im Geschäftsleben bezeichnet man aber damit den Teil der Firma, wo für den Kunden direkt etwas von Wert geschaffen wird (im Gegensatz zu den Stellen, wo durchaus wichtige Arbeit für die Firma geleistet wird, aber nichts, was direkt den Kunden betrifft).

Der Grund für den Vorschlag liegt darin, daß bei Kaizen eine Erhöhung der Produktivität dadurch erzielt wird, daß eine Umgebung geschaffen wird, wo durchschnittliche Mitarbeiter gute Leistungen und gute Mitarbeiter ausgezeichnete Leistungen erzielen können (und schlechte Mitarbeiter keine schlechten Leistungen abliefern können). Dies geschieht dadurch, daß nicht nur die Resultate, sondern auch der Prozeß, der zu den Resultaten führt, untersucht und mit einem wissenschaftlichen Ansatz interpretiert wird. Dabei werden möglichst alle betroffenen Leute beteiligt, also neben den Mitarbeitern auch die „Zulieferer“ und die „Kunden“. Ziel ist, daß der Arbeitsplatz stets produktiver wird und die Mitarbeiter immer weiter die Fähigkeit entwickeln, ihren Arbeitsplatz zu verbessern. Auf ständige Ermahnungen der Mitarbeiter wird dabei gemäß Punkt 10 von W. Edwards Deming´s 14 Punkten nicht gebaut. Dies dürfte einige Leute überraschen, die bisher der Meinung gewesen sind, daß die Leistungen und Probleme einer Firma ausschließlich auf den Charakter der Mitarbeiter zurückzuführen sind. Aus diesem Grund hört sich auch der Ansatz, daß langfristig alle Beteiligten gewinnen sollen, äußerst fremdartig an. Aber zu Kaizen gehört auch, daß die Mitarbeiter davon überzeugt werden, daß der Verbesserungsprozeß etwas gutes für sie bedeutet.

Beim Kaffee im Büro gibt es mehrere Verbesserungsmöglichkeiten. Der Geschmack des Kaffees ist ein offensichtliches Merkmal, welches einer Verbesserung unterzogen werden kann. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten. Da wäre zum einen die Zeit, welche man für die Zubereitung des Kaffees aufwendet. Effizienzjäger sehen hier einen Ansatz, da in Ihren Augen hier Zeit verschwendet wird. Die Verschwendung ist bei Kaizen auch ein wichtiges Thema, aber im herkömmlichen Fall erwächst aus dem Ansatz daraus eine Suboptimierung (in diesem Zusammenhang sollte man erwähnen, daß ein suboptimales Ergebnis normalerweise als Synonym für ein schlechtes Ergebnis eingestuft wird, aber streng genommen bedeutet ein suboptimales Ergebnis ein Ergebnis eines Optimierungsversuches, welches das Optimum nicht erreicht). Eine weitere Betrachtungsmöglichkeit sind die Bestände an Kaffee: Wieviel Kaffee sollte man vorrätig haben, damit man jederzeit Kaffee zur Verfügung hat, aber nicht unnötig Lagerraum verschwendet? Bei Kaizen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Ansatzpunkte zur Verbesserung zu ermitteln und geeignete Methoden zu entwickeln.

Wie gesagt gehört zu Kaizen neben der Qualitätssteigerung auch die Verbreitung der dazugehörigen Methoden und des damit verbundenen Nutzens. Aus diesem Grund wird in einem Beitrag des Blogs „Gemba Panta Rei“ empfohlen, daß ein Kaizen-Team, welches einen bestimmten Prozeß verbessern soll, zu einem Drittel aus Mitarbeitern des Prozesses selbst, zu einem Drittel aus „Kunden“ bzw. „Zulieferern“ und zu einem Dritteln aus Leuten bestehen soll, die nichts mit dem Prozeß zu tun haben. Neben der Möglichkeit, daß diese externen Mitglieder neue Sichtweisen in den Verbesserungsprozeß einbringen können, wird auf diese Weise das Kaizen-Prinzip weiter verbreitet. Beim Kaffee dürfte diese Aufteilung schwierig sein, dafür aber können die Methoden und der Nutzen von Kaizen theoretisch über mehrere Abteilungen verbreitet werden.

Wer einwendet, daß die Verbesserung des Kaffees sich, wenn überhaupt, nur unwesentlich auf die Bilanz des Unternehmens auswirkt und man sich lieber anderen Probleme mit größeren Gewinnmöglichkeiten zuwenden sollte, der hat im ersten Punkt zweifellos recht. Wo Kaizen praktiziert wird, sind die Ergebnisse auch keineswegs egal. Allerdings ist man sich dort auch bewußt, daß viele kleine Verbesserungen ebenfalls ein Unternehmen weiter bringen und daß diese Verbesserungen genauso Unterstützung verdienen wie solche der spektakulären Sorte. Masaaki Imai berichtete in seinem Beststeller über Kaizen von den Kellnerinnen der Werkskantine einer Matsuhita-Fabrik, welche die Goldmedaille des Jahres verliehen bekamen. Ihr Verdienst: Sie untersuchten den mittäglichen Teeverbrauch an den Mittagstischen und konnten durch eine auf die einzelnen Tische abgestimmte Teeausgabe den Verbrauch um die Hälfte reduzieren (man beachte die Parallele zum Kaffee).

Schließlich ist ein wichtiges Problem bei Verbesserungsprozessen, daß die Mitarbeiter ungern ihre Arbeit umstellen möchten. Wenn zu Beginn einer allgemeinen Verbesserung am Kaffee demonstriert wird, daß die Maßnahmen einen Nutzen für alle Beteiligten bringen, da nicht nur die Resultate besser werden, sondern durch die verbesserte Produktivität und dem damit verbundenen Wissen auch der Arbeitsplatz einfacher wird, erfahren die Mitarbeiter den Nutzen von Kaizen. Wenn sie dann noch zusätzlich erfahren, daß dabei nicht in ihre Arbeit eingegriffen wird, sondern sie beim Verbesserungsprozeß aktiv mitwirken können und dies von der Firmenleitung unterstützt wird, dann dürfte die Bereitschaft, Kaizen zu betreiben, deutlich ansteigen.

  • Coffee Review: Webseite mit zahlreichen Besprechungen von Kaffeesorten und anderen nützlichen Informationen über das beliebte Heißgetränk.
  • Coffee Cup Kanban: Bericht über die Anwendung des Kanban-Systems bei der Bestellung eines Bechers Kaffee in einer Kaffeebar.

Welche Fußballmannschaft hat einen Heimvorteil?

Sonntag, 6. April, 2008

Es ist eine Tatsache, daß Fußball- und andere Sportmannschaften auf ihrer eigenen Stätte generell erfolgreicher sind als auswärts. Das führt zu der Frage, ob es zwischen den Mannschaften Unterschiede im Heimvorteil gibt und wodurch eventuelle Unterschiede zustande kommen. Durch statistische Analysen kann man in dieser Frage weiterkommen.

Stephen R. Clarke und John M. Norman haben in einem Artikel für die britische Zeitschrift „The Statistician“ des Royal Statistical Society eine Methode zur Bestimmung des Heimvorteils einer Fußballmannschaft aus den Ligaergebnissen vorgestellt und sie auf die Mannschaften der 4 englischen Profiligen angewandt. Für die Berechnung werden lediglich die Endstände einer Liga mit Heim- und Auswärtstabellen sowie ein Taschenrechner benötigt. Die Formeln wurden aus der Annahme entwickelt, daß das Ergebnis eines Spieles (genauer gesagt, die Tordifferenz) sich aus den Spielstärken der beiden Mannschaften sowie des Vorteils für die Heimmannschaft ergibt:

Tordifferenz = (Spielstärke von Mannschaft A) – (Spielstärke von Mannschaft B) + (Heimvorteil von Mannschaft A)

Würde das Spiel auf neutralem Boden stattfinden, würde das Ergebnis für Mannschaft A also besser sein, je spielstärker sie ist und schlechter, je spielstärker Mannschaft B ist. Spielt Mannschaft A auf eigenem Platz, kommt der Heimvorteil hinzu, wobei ein Heimvorteil von 1 bedeutet, daß die Tordifferenz dadurch um 1 Tor besser ausfällt. Spielt Mannschaft A auf fremden Platz, dann bekommt sie es mit dem dortigen Heimvorteil zu tun. Für die Ermittlung der Formel wurde außerdem angenommen, daß sich die Spielstärken der Mannschaften innerhalb einer Liga zu Null addieren.

Um den Heimvorteil zu berechnen, welchen eine Mannschaft in einer Saison in einer Liga mit N Mannschaften mit Hin- und Rückspiel gehabt hat, werden folgende Schritte durchgeführt:

  1. Zuerst wird die Größe H bestimmt, welche die Summe der Heimvorteile aller Mannschaften in einer Liga repräsentiert. Sie wird berechnet, indem die Heimtorverhältnisse aller Mannschaften addiert und durch (N-1) geteilt werden.
  2. Der Heimvorteil einer Mannschaft erhält man, indem von ihrem Heimtorverhältnis das Auswärtstorverhältnis sowie H abgezogen und das Ergebnis durch (N-2) geteilt wird.

Beispiel: In der Bundesligasaison 2006/07 addierten sich die Heimtorverhältnisse aller Mannschaften zu +59. Da 18 Mannschaften mitspielten, ergab das für H einen Wert von

59/(18-1) = 59/17 = 3,471

Meister VfB Stuttgart hatte zu Hause ein Torverhältnis von +17 und auswärts ein Torverhältnis von +7. Das ergab einen Heimvorteil von

(17-7-H)/(18-2) = (17-7-3,471)/16 = 0,408

Bei einem Heimspiel erzielte der VfB Stuttgart also im Durchschnitt ein um 0,408 Tore besseres Ergebnis als auswärts. Den größten Heimvorteil der Saison besaß allerdings Absteiger Borussia Mönchengladbach:

Heimvorteil Bundesligasaison 2006/07
Platz Verein Heimvorteil Tabellenplatz
1. Borussia Mönchengladbach 0,971 18.
2. FC Schalke 04 0,846 2.
3. FC Bayern München 0,721 4.
4. Hertha BSC 0,596 10.
5. Arminia Bielefeld 0,533 12.
6. VfB Stuttgart 0,408 1.
7. Energie Cottbus 0,346 13.
1. FC Nürnberg 0,346 6.
9. VfL Wolfsburg 0,283 15.
10. Hannover 96 0,221 11.
FSV Mainz 05 0,221 16.
12. Alemannia Aachen 0,158 17.
Borussia Dortmund 0,221 9.
14. Bayer Leverkusen 0,096 5.
15. Hamburger SV – 0,217 7.
16. Werder Bremen – 0,592 3.
Eintracht Frankfurt – 0,592 14.
18. VfL Bochum – 1,029 8.

Aus der Tabelle geht hervor, daß in der Saison 2006/07 vier Bundesligamannschaften einen negativen Heimvorteil hatten, d.h. auf ihrem eigenen Platz waren sie schlechter als auswärts. Besonders hervor tat sich der VfL Bochum, der bei Spielen in seinem Stadion dazu neigte, einen um ca. 1 Tor schlechteres Ergebnis zu erzielen. Die Reihenfolge der Tabelle kann auch über die Differenz zwischen Heim- und Auswärtstorverhältnis ermittelt werden.

Obwohl die Tabelle die Bilanz einer ganzen Saison wiedergibt, sagen die Werte weniger über den eigentlichen Heimvorteil einer Mannschaft aus. Wie man am Beispiel des VfB Stuttgart sehen kann, schwanken die Werte über die Jahre deutlich:

Heimvorteil des
VfB Stuttgart
Saison Heimvorteil
1997/98 0,996
1998/99 1,070
1999/00 – 1,162
2000/01 1,125
2001/02 0,195
2002/03 0,621
2003/04 – 0,474
2004/05 1,007
2005/06 – 0,452
2006/07 0,408

Der Heimvorteil des VfB schwankte in den letzten 10 Jahren somit zwischen -1,162 und +1,125. Im Durchschnitt ergibt das einen Heimvorteil von 0,333.

Auf die selbe Weise wie beim VfB Stuttgart kann man nun auch für die anderen Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga den Heimvorteil in den letzten 10 Jahren berechnen. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden nur die Spielzeiten auf bundesweiter Ebene berücksichtigt (näheres dazu führe ich weiter unten aus). Durch die Schwankungen sollte man erst nach mindestens 5 Jahren (wahrscheinlich sogar mehr) von einem typischen Heimvorteil für eine Mannschaft sprechen:

Heimvorteil der Fußballvereine
der 1. und 2. Bundesliga
Spielzeiten 1997/98 bis 2006/07
Platz Verein Spielzeiten Heimvorteil
1. VfB Leipzig 1 1,652
2. 1. FC Schweinfurt 1 1,390
3. SSV Reutlingen 3 0,934
4. Alemannia Aachen 8 0,878
5. VfL Osnabrück 2 0,873
6. VfL Wolfsburg 10 0,833
7. SpVgg Unterhaching 9 0,830
8. Dynamo Dresden 2 0,820
9. Borussia Mönchengladbach 10 0,808
10. SV Meppen 1 0,779
11. Hertha BSC 10 0,777
12. Eintracht Braunschweig 3 0,757
13. FC Gütersloh 2 0,750
14. Energie Cottbus 10 0,698
15. 1. FC Köln 10 0,656
16. Chemnitzer FC 2 0,634
17. 1. FC Saarbrücken 4 0,628
18. SC Freiburg 10 0,619
19. Erzgebirge Aue 4 0,608
20. 1. FC Kaiserslautern 10 0,608
21. Rot-Weiß Erfurt 1 0,577
22. Waldhof Mannheim 4 0,569
23. Arminia Bielefeld 10 0,546
24. SC Paderborn 2 0,546
25. Hamburger SV 10 0,527
26. Hansa Rostock 10 0,510
27. VfB Lübeck 2 0,504
28. SSV Ulm 1846 3 0,493
29. FSV Mainz 05 10 0,469
30. SG Wattenscheid 09 2 0,469
31. FSV Zwickau 1 0,467
32. FC Bayern München 10 0,452
33. Eintracht Frankfurt 10 0,444
34. 1. FC Nürnberg 10 0,429
35. Karlsruher SC 9 0,424
36. FC St. Pauli 6 0,399
37. FC Schalke 04 10 0,383
38. MSV Duisburg 10 0,375
39. Union Berlin 3 0,362
40. SpVgg Greuther Fürth 10 0,352
41. TuS Koblenz 1 0,342
42. Eintracht Trier 3 0,341
43. Bayer 04 Leverkusen 10 0,333
VfB Stuttgart 10 0,333
45. Rot-Weiß Oberhausen 7 0,325
46. Borussia Dortmund 10 0,321
47. Sportfreunde Siegen 1 0,313
48. VfL Bochum 10 0,306
49. Rot-Weiß Ahlen 6 0,305
50. Rot-Weiß Essen 2 0,303
51. Hannover 96 9 0,242
52. 1860 München 10 0,242
53. FC Augsburg 1 0,217
54. Fortuna Köln 3 0,200
55. Kickers Offenbach 3 0,189
56. Stuttgarter Kickers 4 0,161
57. Werder Bremen 10 0,127
58. Fortuna Düsseldorf 2 0,125
59. TeBe Berlin 2 0,097
60. Wacker Burghausen 5 0,060
61. KFC Uerdingen 05 2 – 0,031
62. Jahn Regensburg 1 – 0,110
63. FC Carl Zeiss Jena 2 – 0,158
64. SV Babelsberg 1 – 0,673

(kursiv: Manschaften mit weniger als 5 Spielzeiten)

(Quelle: Soccerway)

Aus der Tabelle geht hervor, daß einige Mannschaften wie Aachen, Wolfsburg oder Unterhaching im Schnitt zu Hause deutlich stärker als auswärts waren, während der Heimvorteil bei Bremen, Hannover oder 1860 München nicht so ausgeprägt war. Den größten Heimvorteil in einer Saison verzeichnete Borussia Mönchengladbach in der Saison 2002/03 mit einem Wert von 2,121. Den geringsten Heimvorteil in einer Saison wies der VfB Stuttgart in der Saison 1999/00 mit einem Wert von -1,162 auf.

Um dem Heimvorteil weiter auf die Spur zu kommen, kann man weitergehende Berechnungen machen. Die Frage ist immer, ob es Faktoren gibt, welche einen Einfluß auf den Heimvorteil haben. Clarke und Norman haben untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Entfernung zwischen zwei Spielorten und den Ergebnissen aus den Begegnungen der entsprechenden Mannschaften gibt. Dabei stellte sich heraus, daß der Heimvorteil mit der Entfernung wächst. Damit lassen sich die hohen Heimvorteile für einige „abgelegene“ Mannschaften erklären wie auch die niedrigen Werte für Vereine in Ballungsräumen.

Von Walter A. Shewhart, dem Vater der statistischen Qualitätskontrolle und Inspirationsquelle für W. Edwards Deming, stammt eine Aussage, wonach eine Zusammenfassung der Daten ihren Benutzer nicht zu einer Handlung verleiten sollte, welcher er nicht ausführen würde, wenn die Daten in einer Zeitreihe abgebildet würden. In diesem Sinne ist es sinnvoll, wenn man nicht nur die Durchschnittswerte betrachtet, sondern für die Vereine auch die Entwicklung über die Zeit betrachtet, z.B. mit einer Kontrollkarte. So kann man nachsehen, ob Trends, Veränderungen im Niveau oder Saisons mit ungewöhnlichen Werten festzustellen sind (die Rolle des zeitlichen Verlaufes und andere Fallen bei der Analyse von Daten werden in einem lesenswerten Artikel beschrieben).

Zum Schluß muß nochmal deutlich werden, daß jeder positive Heimvorteil sowohl als Heimstärke als auch als Auswärtsschwäche ausgelegt werden kann, wie auch ein negativer Heimvorteil sowohl als Auswärtsstärke als auch als Heimschwäche ausgelegt werden kann. Welche Deutung von der Journaille gewählt wird, hängt davon ab, was mit der bestehenden Auffassung der Leserschaft am besten übereinstimmt.

Nach Ende dieser Saison werde ich aktuelle Tabellen veröffentlichen. Außerdem möchte ich gerne wissen, was bei anderen Ligen herauskommt.