Posts Tagged ‘Wissen’

Wissen ist Macht – Nichtwissen bringt Macht

Freitag, 23. Mai, 2008

Seit kurzem wird das Bild von der „Generation Doof“ beschworen, welche sich durch einen eklatanten Mangel an Allgemeinbildung auszeichnet und dies – einem Interview der Autoren des gleichnamigen Buches zufolge – als Lebenstil betrachtet. Während sich für diese These zahlreiche Beispiele finden lassen, dürfte das eigentliche Problem sein, daß es an der Erwerbung und Umsetzung von Wissen mangelt. Um es an der ersten Hälfte der Überschrift zu veranschaulichen: Macht ist nur dann Macht, wenn sie ausgeübt wird oder zumindest ausgeübt werden kann.

Es klingt zwar seltsam, aber eine unbedingte Nachfrage an Wissen und Intelligenz scheint es nicht zu geben. Dies beginnt schon in der Schule, wo Hochbegabte Probleme im sozialen Umfeld bekommen können. Ein Beispiel dafür habe ich in einer Fernsehreportage über hochbegabte Kinder mitverfolgen können, wo ein Junge aus der „normalen“ Schicht sinngemäß sagte, daß diese Kinder deswegen zu Außenseitern werden, weil sie sich nicht in die Gemeinschaft einfügen würden. Darüber mag sich jeder seinen Teil denken.

Beim Start ins Berufsleben stellt sich das nächste Problem ein. Sofern ein Universitätsabsolvent trotz mangelnder Berufserfahrung einen Job erhält, kann es vorkommen, daß er das im Studium erlernte Spezialwissen, welches einen Großteil der Faszination am Studienfach ausmachte, nicht anwenden kann. Über dieses Phänomen wurde schon vor ca. 15-20 Jahren berichtet, und bis heute scheint sich nichts daran geändert zu haben. Daß das Spezialwissen aus dem Hauptstudium so wenig nachgefragt wird, bedeutet nicht, daß eine eventuelle Umsetzung in der Praxis sich nicht lohnen würde oder zumindest das bestehende Wissen ausweiten würde. Daß besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen noch viel Potential für Wissensmanagement besteht, macht ein Beitrag deutlich, welcher die wesentlichen Aspekte zusammenfaßt. Wer immer noch zweifelt, dem empfehle ich eine Beschäftigung mit Kaizen. Die Webseite Gemba Panta Rei ist eine gute Quelle für das erstaunliche Potential, was in einem Betrieb vorhanden ist. Die Übernahme der Philosophie der beständigen Verbesserung dürfte auch das leidige Thema der Berufserfahrung in den Hintergrund rücken.

Einen Ausweg aus dieser Misere liefert einmal mehr W. Edwards Deming. In einem Beitrag wurde ein bisher unbekanntes Deming-Zitat enthüllt. Es ist zwar nicht unbedingt ein zitierfähiges Zitat, aber ein Satz, welchen Deming nach Meinung des Verfassers häufiger als meisten Menschen gebraucht hatte:

„Ich weiß es nicht.“ (im Original: „I don´t know.“ )

Dies beschreibt zwar auch den Zustand der Generation Doof, es gibt aber wesentliche Unterschiede:

  • Deming hatte diesen Satz verwendet, um damit auszusagen, daß er über eine bestimmte Sache nicht Bescheid weiß. Bei der Generation Doof kommt so ein Eingeständnis weniger vor (für ihre Mitglieder wirkt es sich in der Regel eher nachteilig aus).
  • Die Tatsache, daß Deming zu einem gegebenen Zeitpunkt über etwas nicht Bescheid wußte, bedeutete nicht, daß dies auch so blieb. Es kam z.B. vor, daß er zwei Jahre später in seinen Seminaren die Antwort lieferte. Er war also – mit über 80 – bestrebt, bestehende Wissenslücken zu schließen. Nach allgemeiner Auffassung ist das ihm Zeit seines Lebens gelungen.

Die Lösung für den „Niedergang“ besteht also darin, aus der „Generation Doof“ eine „Generation Klüger“ zu machen. Der Weg dazu besteht in der Schaffung von Nachfrage und Möglichkeiten:

  • Es sollte das Potential ausgeforscht werden, welche die Anwendung von Wissen in Beruf und Alltag haben kann (es ist mehr als gedacht vorhanden).
  • Anwendung, Erweiterung und Erneuerung des Wissen sollten gewürdigt werden.
  • Ebenso sollte das Eingeständnis von Unkenntnis nicht zum Nachteil gereichen, sofern ausgemacht ist, daß die Wissenslücken geschlossen werden.
  • Es sollte erkannt werden, daß es einen Unterschied gibt zwischen der augenblicklichen Form und dem Potential, was einer hat, und daß dies für jeden gilt, anstatt nur für eine „Elite“.
  • Daraus folgt, daß Verbesserung für jeden gut ist (so wie ein vernünftiger Sportunterricht nicht nur den Olympioniken nützt, sondern auch den schwankenden Gestalten zu besserer Form verhelfen kann).
  • Für die Nutzung von Wissen sollten Möglichkeiten geschaffen werden (durch Bibliotheken, im Internet, durch Kaizen-Strukturen im Betrieb usw.).

Die Hauptsache ist, daß das Problem nicht bloß per Generalverdacht auf einen minderwertigen Charakter der Jugend zurückgeführt wird, sondern daß auch überlegt wird, wieso die beklagten Zustände überhaupt erst entstanden sind.

Werbeanzeigen

Es gibt keinen Ersatz für einem zweiten Eindruck

Donnerstag, 8. Mai, 2008

„Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.“ – beliebter Spruch

Der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert hat regelmäßig darüber geschrieben, welches Erlebnis es darstellt, einen Film das erste Mal zu sehen. Während ich seine Meinung grundsätzlich teile, möchte ich in diesem Beitrag darüber schreiben, was es bedeuten kann, einen Film das zweite Mal (oder öfter) anzusehen. Vielleicht bin ich schwer von Begriff, aber bei manchen Filmen sehe ich Dinge erst, wenn ich sie mir öfter ansehe.

Als seinerzeit der Film „Pulp Fiction“ in den Kinos lief, bekam ich vorab schon zu hören, daß es ein besonderer Film sein soll, was z.B. an der Tatsache festgemacht wurde, daß es einen Comeback von John Travolta darstellte. Auf dem ersten Blick habe ich dann auch den Eindruck gewonnen, daß es ein interessanter Film ist. Aber erst, nachdem ich ihn nochmal im Fernsehen angesehen habe, fügten sich bei mir die Eindrücke zusammen und konnte ich alles nochmal studieren, so daß sich mir der Film immer mehr erschloß.

Das gleiche gilt auch für „Der Schuh des Manitu„. Jedesmal, wenn ich mir den Film ansehe, fällt mir die Hingabe zum Detail auf, mit welcher der Film gemacht wurde und die nicht unbedingt selbstverständlich ist. Dies ist offensichtlich ein Markenzeichen des Regisseurs Michael „Bully“ Herbig, denn in seinen anderen Werken kann diese Hingabe auch festgestellt werden.

Daß man nicht nur einen Aspekt eines Filmes immer mehr kennenlernen kann, sondern auch verschiedene Aspekte, habe ich während meiner Studienzeit mitbekommen. Bei einer Fete haben sich meine Mitstudenten über den Film „9 1/2 Wochen“ unterhalten. Dabei kam zur Sprache, daß einem, nachdem man sich den Film fünfmal angesehen hat, immer andere Sachen aufgefallen sind.

Insgesamt kann man davon ausgehen, daß je öfter man sich einen Film ansieht, einem neben dem, über was ein Film handelt, immer mehr bewußt wird, wie es darüber handelt. Dies ist laut Roger Ebert das entscheidende Kriterium, um einen Film zu beurteilen. Außerdem hat er mal festgestellt, daß jeder große Film jedesmal, wenn man ihn sieht, neu erscheinen sollte.

In diesem Zusammenhang sollte man überlegen, ob der Spruch vom Anfang dieses Beitrages der Weisheit letzter Schluß ist. Nicht umsonst hatte W. Edwards Deming in seinem Konzept der beständigen Verbesserung auch eine entsprechende Verbesserung des Wissen einbezogen. Die Vorstellung, daß man eines Tages sämtliches Wissen erfassen kann, war ein Konzept aus dem 19. Jahrhundert. Daß man im 21. Jahrhundert immer noch davon ausgeht, ist zwar möglich, aber trotzdem verkehrt. Wissen muß ständig vervollständigt, ausgeweitet und ergänzt werde.