Posts Tagged ‘Schule’

Umkreisung am Beispiel der Kurzgeschichte „Känsterle“

Freitag, 25. April, 2008

Kurz nachdem ich meinen Beitrag über den Umgang mit Bedenkenträgern verfaßt hatte, erinnerte ich mich an eine Begebenheit aus meiner Schulzeit. Einmal (ich glaube, es war in der 8. Klasse) mußten wir in der Klasse eine Interpretation der Kurzgeschichte „Känsterle“ des schweizer Schriftstellers Rainer Brambach schreiben. Um das folgende zu verstehen, empfiehlt sich die Lektüre des Werkes (sie steht unter anderem hier online zur Verfügung) und ein paar kurze Überlegungen über die Handlung. Meines Erachtens lohnt es sich, die Kurzgeschichte auch sonst zu lesen.

Nach der Benotung der Interpretation stellte sich heraus, daß viele in unserer Klasse entweder dem Mann oder der Frau die Schuld am Ausgang der Geschichte gaben. Für solche Urteile sprang höchstens eine 3 heraus. Was wir hier vorliegen hatten, war ein Beispiel für eine Umkreisung des Themas (Punkt 9 in der Liste der 10 Arten des Bedenkens nach Shingo). Die meisten in unserer Klasse hatten die Geschichte nur aus einem Blickwinkel betrachtet. Hätte man mehrere Blickwinkel verwendet, hätte man zu einem kompletteren Urteil gefunden.

Interessant war, wie die einseitigen Blickwinkel verteilt waren. Es stellte sich heraus, daß die meisten Jungs der Frau die Schuld gaben, während die meisten Mädchen dem Mann die Schuld gaben. Dies war eine interessante Erkenntnis, aus der man etwas hätte lernen können, wenn man ihr weiter auf dem Grund gegangen wäre. Leider wurde anschließend weiter der Bildungsauftrag befolgt.

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Anforderungen an einen Statistiker

Donnerstag, 17. Januar, 2008

Frage: Wenn jemand eine Laufbahn als Statistiker anstrebt, nach welchen Kriterien sollte in Schule bzw. Studium darüber entschieden werden, ob er eine entsprechende Ausbildung absolvieren darf?

Falls jemand mit „Turnen bzw. Wirtschaftspolitik“ antwortet, so dürfte er im Kultusministerium oder einer Universitätsverwaltung arbeiten. Das hört sich zwar seltsam an, folgt aber aus meinen Erfahrungen:

Als Schüler bin ich in Sport nicht besonders gut gewesen. Mit Sport meine ich das, wonach man im Fach „Sport“ beurteilt wird. Besonders mit Turnen kam ich nicht zurecht. Dies wurde so schlimm, daß ich in einer Klasse in Gefahr geriet, nicht versetzt zu werden. Es gab dann schließlich doch einen Ausweg, aber wenn dieser nicht bestanden hätte, wäre ich nicht dazu gekommen, mein Abitur zu machen bzw. zu studieren.

Im Studium hatte ich als Nebenfach erst VWL belegt, da ich meine Statistikkenntnisse irgendwo in der Wirtschaft anwenden wollte. An der Universität Dortmund gehörten zum Grundstudium die Fächer Mikroökonomie, Makroökonomie und Wirtschaftspolitik. Um das Vordiplom zu bekommen, mußte man in jedem dieser Fächer eine Klausur schreiben und bestehen. Die Durchfallquoten waren wie folgt:

  • Mikroökonomie: ca. 1 von 3,
  • Makroökonomie: ca. 1 von 3,
  • Wirtschaftspolitik: ca. 2 von 3.

Unter dem Gesichtspunkt, daß man jede Klausur bestehen muß, hat höchstens ein Drittel der Teilnehmer die Chance, am Hauptstudium teilzunehmen. Wenn man annimmt, daß die Klausurleistungen unabhängig voneinander sind, da hätte das sogar bedeutet, daß nur ca. 15 Prozent aller Studenten weitergekommen wären. Erschwerend kam noch hinzu, daß man nach dem dritten Versagen mit dem Studium nicht mehr weitermachen durfte. Das hätte nicht nur das Nebenfach betroffen, sondern das ganze Studium. Dort hatte ich übrigens die Prüfungen soweit bestanden. In VWL sah die Lage so aus, daß ich Mikro- und Makroökonomie bestand und in Wirtschaftspolitik zweimal durchgefallen bin. Nun stand ich vor der Wahl, mein Nebenfach zu wechseln oder einen dritten Versuch bei einer Klausur zu wagen, in der ich keinen Plan hatte, wie ich sie bestehen konnte. Es reicht, darauf hinzuweisen, daß ich kein Fan von russischem Roulette bin.

Zusammengefaßt stellt sich die Frage, ob jemand, der sich auf einem Gebiet Wissen aneignen will/soll, nicht bloß danach beurteilt werden sollte, ob er die Fähigkeit dazu besitzt und diese Person ihre Anstrengungen hauptsächlich auf das Erlernen dieses Gebietes richten sollte. In den beiden von mir beschriebenen Situationen war das jedenfalls nicht möglich.