Posts Tagged ‘Holland’

Kartografierte Kriminalität

Donnerstag, 24. Januar, 2008

Ein weiteres Beispiel für die Möglichkeiten des Internets ist die Misdaadkaart. Auf dieser Webseite werden die niederländischen Polizeiberichte ausgewertet und die Fälle auf einer Karte verzeichnet. Dabei werden die in den Berichten genannten Orte und Straßen zugrundegelegt. Der Besucher hat die Möglichkeit, nach Meldungen über bestimmte Delikte zu suchen und die Ergebnisse nach Ort bzw. Postleitzahl zu verfeinern. Da man davon ausgehen kann, daß die Berichtspraxis zumindest in einer Stadt konsistent ist, kann man sich auf diese Weise einen Überblick über die Sicherheit in einem bestimmten Gebiet verschaffen. Über ein auf der Karte verzeichnetes Delikt kann man auch die zugehörige Meldung aufrufen.

Der Erfolg der Webseite hat die Betreiber dazu ermutigt, das Prinzip auf weitere Projekte anzuwenden. Neben einer Karte für niederländische Lokalnachrichten wurde auch eine deutsche Variante der Misdaadkaart geschaffen. Auch in der Krimikarte werden Polizeiberichte ausgewertet und kann der Besucher nach Delikten in einer bestimmten Gegend suchen. Allerdings steckt diese Karte noch im Entwicklungsstadium. So fiel mir z.B. bei der Suche nach Polizeiberichten aus Aachen auf, daß in der Karte jeweils das Polizeipräsidium markiert wurde. Da das Konzept sehr unterstützenswert ist, schlage ich vor, an der Verbesserung der Krimikarte mitzuarbeiten. Ein Möglichkeit der Mitarbeit ist, die Meldungen durchzulesen und den Betreibern die richtigen Straßen mitzuteilen.

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IENS – ein niederländischer Restaurantführer

Dienstag, 22. Januar, 2008

Wer essen gehen möchte und nicht weiß, wohin er gehen soll, der konsultiert einen Restaurantführer. Das Internet macht es möglich, daß die Suche auch online durchgeführt werden kann. So können im Guide Michelin oder im Gault Millau verzeichnete Restaurants aufgespürt werden. Allerdings sind dort nur eine begrenzte Anzahl von Restaurants verzeichnet.

In den Niederlanden gibt es mit IENS einen Restaurantführer, welcher durch die Meinungen und Beurteilungen der Restaurantbesucher zusammengestellt wird. Auf diese Weise kam ein Verzeichnis von 17.000 Restaurants zustande, über welche 70.000 Besucher ihre Meinung abgegeben haben. Besucher können an der Restaurantkritik teilnehmen, indem sie kurze Meinungen schreiben oder anhand eine Formulars eine Beurteilung abgeben, bei welchen Essen, Service und Dekor benotet werden. Auf der Webseite hat man die Möglichkeit, über den Ort und die Küche sowie eine Reihe weiterer Kriterien wie Zugänglichkeit oder Außengastronomie das passende Restaurant zu suchen. Durch die große Basis kann man sowohl Spitzenrestaurants als auch günstigere Formen wie Fast-Food-Restaurants, Eisdielen, Saftbars oder Pfannkuchenhäuser durchstöbern. Die Suchergebnisse können nach der Straße, dem Ort oder die Bewertung für das Essen sortiert werden.

Die bei IENS versammelten Kritiken liegen auch in Buchform vor. Zu jedem in den Büchern verzeichneten Restaurant gibt es Informationen und eine kurze Beschreibung, die sich aus den Berichten der Besucher ergibt.

Die große Breite an verzeichneten Restaurants führt manchmal zu überraschenden Ergebnissen. So erhielt das Beluga in Maastricht, welches zu den besten niederländischen Restaurants zählt, folgende Bewertungen:

  • Essen: 9.0
  • Service: 8.6
  • Dekor: 9.0

Die Eisdiele Lisone in Heerlen erhielt folgende Bewertungen:

  • Essen: 9.0
  • Service: 8.0
  • Dekor: 7.0

Das Essen des Spitzenrestaurants und der Eisdiele werden somit mit der gleichen Note bewertet. Das macht deutlich, daß man die Bewertungen im Zusammenhang mit der Küche und den Leistungen für die jeweiligen Kunden sehen muß. In einem ähnlichen Zusammenhang hat der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert argumentiert, daß man, falls man einen Freund fragt, ob der Film Hellboy gut ist, nicht fragt, ober er verglichen mit Mystic River gut ist, sondern ob er verglichen mit The Punisher gut ist. Für unser Beispiel bedeutet das, daß man, falls man gepflegt in Südlimburg zu speisen wünscht, das Beluga in Erwägung ziehen kann. Möchte man Eis essen gehen und ist in der Nähe von Heerlen, kann man das Lisone aufsuchen. Wenn man davon absieht, daß über Restaurants wie das Beluga woanders eventuell mehr erfahren kann, hat der Besucher der IENS-Webseite die Möglichkeit, sich anhand der Kommentare der anderen Besucher ein Bild zu machen.

Cafés/Kneipen in den Niederlanden

Samstag, 19. Januar, 2008

In den Niederlanden stellen Cafés einen beliebten Treffpunkt dar (in diesem Fall werden auch Kneipen oder Bars zu den Cafés gezählt). Sie werden auch als „Wohnzimmer der Gesellschaft“ bezeichnet, welche sich durch Atmosphäre und Geselligkeit auszeichnen. Das typische Beispiel ist das „bruine café“. Das Braune bei diesem Café kommt durch jahrelanges Rauchen zustande (in der Gegenwart wird auch Farbe verwendet). Cafés sind in den südlichen Provinzen Nordbrabant und Limburg besonders verbreitet, aber auch im restlichen Land finden sich viele Orte, wo man einkehren kann.

Wer angesichts der großen Auswahl eine Referenz haben möchte, der kann die Café Top 100 konsultieren. Misset Horeca, eine Fachzeitschrift für das Hotel- und Gaststättengewerbe, begann 1994 mit einem Wettbewerb, um Kunden und Gewerbetreibende auf gute Cafés hinzuweisen. Dazu wurden jedes Jahr 10 Cafés aus einer Liste mit 40-50 Vorschlägen nominiert. Unter den Finalisten wurde das Café des Jahres ermittelt. Seit 2003 wird jährlich eine Liste der 100 besten Cafés veröffentlicht. Der Titel „Café van het Jaar“ geht an das erste Café auf der Liste. Über die Ergebnisse entscheidet jeweils eine Jury, welche die Cafés nach den folgenden Gesichtspunkten beurteilt:

  • Gastfreundschaft
  • Atmosphäre und Ausstrahlung
  • Hygiene
  • Umgang mit Produkten
  • Betreiber / Wirt

Die aktuelle Liste der 100 besten Cafés gibt es hier zu sehen. Um die Suche zu verfeinern, kann man auch eine bestimmte Provinz auswählen. Hinzu kommen erwähnenswerte Cafés, die es nicht ganz in die Top 100 geschaft haben. Ein Café, welches den Titel Café des Jahres errungen hat, wird für mindestens drei Jahre in die Ehrengallerie aufgenommen und in der Zeit aus der Rangliste genommen. Für jedes erwähnte Café kann man Informationen abrufen.

Diese Webseite dürfte für den beginnenden niederländischen Cafébesucher eine gute Ausgangsbasis darstellen, in der auch verschiedene Typen von Cafés enthalten sind. Die Urteile sind zwar subjektiv gefällt, aber man hat die Möglichkeit, diese bei einem Besuch zu überprüfen und eventuell neue Entdeckungen zu machen. Abschließend sollte man noch bedenken, daß es in den Niederlanden über 10.000 Cafés gibt.

Niederlande aus der Luft

Donnerstag, 17. Januar, 2008

Um einen sprichwörtlichen Überblick über die Niederlande zu bekommen, sind Bücher mit den Aufnahmen von Karel Tomeï zu empfehlen. Aktuelle Beispiele sind „Over Holland“ und „De Bovenkant van Nederland“ 1-3. Die Stärke der Aufnahmen liegt im Bildaufbau, woraus sich schöne und oftmals verblüffende Perspektiven ergeben. Beispiele dafür sind auf der Webseite des Fotografen zu bewundern, wo auch Bilder aus anderen Ländern zu sehen sind.

Het nieuwe Europa, aber kein neues Europa

Mittwoch, 16. Januar, 2008

Als ich mich vor einigen Wochen im Selexyz-Buchladen von Maastricht umsah, erblickte ich das neue Buch von Michael Palin „Het nieuwe Europa“, in dem er über seine Reise durch Osteuropa berichtet. Michael Palin ist vielen als Mitglied der Komikertruppe Monty Python bekannt. Ab Ende der 80er begann er bei BBC eine Reihe von Reise-Dokumentationen zu präsentieren, zu denen jeweils auch ein Buch folgte. Die Berichte führten auch zu einem gesteigerten Interesse, die beschriebenen Orte zu besuchen.

Nachdem ich die niederländische Übersetzung des Buches gesehen habe, wollte ich bei Amazon nach der deutschen Übersetzung suchen. Wie sich herausstellte, gibt es keine. Damit meine ich nicht nur, daß es im Augenblick keine deutsche Ausgabe gibt, sondern auch in nächster Zeit, da man es sonst vorbestellen könnte. Das verstehe ich aus folgenden Gründen nicht:

  • Wie gesagt, hat sich Michael Palin mit seinen Reiseberichten einen Namen gemacht.
  • Osteuropa ist eine Region, die eine jahrhundertelange geschichtliche Beziehung zu Deutschland und Österreich hatte. Ein Buch, das einen nach dem Fall des eisernen Vorhangs Länder und Leute vor der eigenen Haustür näherbringt, sollte eigentlich auf Interesse stoßen (die neuen Bundesländer werden auch beschrieben).
  • Wenn man Deutschland und Österreich zusammenzählt, kommt man auf eine Bevölkerung von ca. 90 Millionen Menschen mit entsprechend großer potentieller Leserschaft.

Es verbleibt also die Frage, warum es von so einem Buch eine niederländische Ausgabe gibt, aber keine deutsche.

Interessierte, die des Englischen mächtig sind, brauchen sich nicht zu grämen. Neben der Möglichkeit, die Originalausgabe zu bestellen, kann man das Buch auch auf seiner Webseite lesen.

[NACHTRAG: Laut Amazon.de wird im März 2009 eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Europareise“ erscheinen.]

Deutsche Bahn achtet niederländische Tradition

Montag, 14. Januar, 2008

Die Stadt ’s-Hertogenbosch ist die Hauptstadt der Provinz Nordbrabant. Sie weist eines der ältesten und am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Innenstädte in den Niederlanden auf. Als Beispiel soll an dieser Stelle nur die St.-Johannes-Kathedrale genannt werden. In der Innenstadt gibt es viel Gelegenheit zum Einkaufen und zum Ausgehen. Die Umgebung der Stadt ist ebenfalls einen Besuch wert. Auch vom wirtschaftlichen Standpunkt gehört ’s-Hertogenbosch zu den bedeutenden Zentren.

’s-Hertogenbosch ist in der Umgangssprache auch als Hertogenbosch oder Den Bosch bekannt. Der offizielle Ortsname wurde 1996 per Gesetz festgelegt. Um den Gebrauch des traditionellen Namens zu fördern, gibt es seit 1993 eine Vereinigung. Sie sorgt dafür, daß Karten, Telefonbücher oder Wegweiser den richtigen Namen benutzen. Ein ähnlicher Fall ist die Stadt ’s-Gravenhage, die international als Den Haag bzw. unter landestypischen Varianten bekannt ist (z.B. The Hague in England oder La Haye in Frankreich). Aus diesem Grund gebraucht die Stadt selber den verkürzten Ortsnamen.

Das interessante an der Geschichte ist, daß die Deutsche Bahn diese Tradition achtet. Zumindest tut sie das bei den Fahrkartenautomaten. Wenn man dort eine Fahrkarte kaufen oder eine Zugverbindung herausfinden möchte, muß man bekanntlich einen Start- und einen Zielbahnhof eingeben. Mißachtet man die Tradition und versucht man, „Den Bosch“ oder „Hertogenbosch“ einzugeben, so kann der Fahrkartenautomat nichts damit anfangen. Wenn man es mit einem „S“ probiert, erscheint unter den Vorschlägen auch ein Feld mit der Aufschrift „s Hertogenbosch“.

Des Rätsels Lösung liegt darin, daß die Ortsnamen im Automaten nur über die ersten Buchstaben erreichbar sind. Über den Teil eines Ortsnamens kann man nur etwas erreichen, wenn dieser Teil ganz am Anfang liegt. Den Haag ist übrigens über „Den Haag“ erreichbar, aber nicht über „s Gravenhage“. Somit folgt die Deutsche Bahn auch hier dem Gebrauch in den Niederlanden. Bleibt nur die Frage, was eine Kunde macht, der den offiziellen Namen von ’s-Hertogenbosch nicht kennt…

Verbrechen in Holland

Samstag, 12. Januar, 2008

Auch in den Niederlanden ist die Kriminalität in den letzten Jahren immer mehr ins Bewußtsein gerückt. Dies hat zwar nicht unbedingt mit den tatsächlich vorkommenden Verbrechen zu tun, sondern mit dem Eindruck, der durch spektakuläre Kriminalfälle und alltägliche Ärgernisse genährt wird. Jedenfalls wird auch dort die Frage diskutiert, wie man zu mehr Sicherheit gelangen kann.

Zur Diskussion über Kriminalität gehört auch die Frage, wo die meisten Verbrechen vorkommen und wo es sicher ist. Die Tageszeitung Algemeen Dagblad liefert in seinem Misdaadmeter eine Übersicht über die Verbrechen in den Niederlanden. Für die einzelnen Gemeinden und Ortsteile kann man die absoluten Häufigkeiten von verschiedenen Kriminalitätsfällen abrufen. Um die (Un-)Sicherheit einer Gemeinde zu bestimmen, wird jedes Jahr ein Misdaadscore berechnet und eine Rangliste zusammengestellt. Die Position einer Gemeinde in dieser Rangliste liefert natürlich reichlich Diskussionsstoff. Der Misdaadscore wird wie folgt berechnet:

Aus den offiziellen Polizeiangaben wird für jede Gemeinde ihre Position in 12 Delikten ermittelt, welche sich aus der relativen Häufigkeit eines Deliktes im Verhältnis zur Einwohneranzahl ergibt. Sechs Delikte werden doppelt gewertet:

  • Autodiebstahl
  • Bedrohung
  • Körperverletzung
  • Überfall
  • Straßenraub
  • Einbruch in Wohnungen

Die restlichen sechs zählen einfach:

  • Einbruch in Kraftfahrzeugen
  • Diebstahl aus einer Box, einer Garage, einer Scheune oder einem Gartenhaus
  • Diebstahl eines Mopeds oder Mofas
  • Betrug
  • Vandalismus gegen Kraftfahrzeuge
  • Taschendiebstahl

Aus der Summe der Positionen ergibt sich der Misdaadscore. Bei der Berechnung wurden Gemeinden mit weniger als 4.000 Einwohnern ausgelassen (für 2006 waren das Ameland, Schiermonnikoog, Vlieland, Rozendaal und Thorn). Die resultierende Rangliste umfaßt somit 450 Gemeinden.

Aus der Rangliste gewinnt man interessante Erkenntnisse:

  • Im Jahr 2006 war Eindhoven die unsicherste Stadt der Niederlande. Sie löste damit Rotterdam ab, welches die Spitzenposition in den Jahren davor einnahm.
  • Amsterdam ist nicht auf dem Treppchen. Auch wenn die ehemalige Ministerin für Integration und Einwanderung Rita Verdonk behauptet hat, daß aus der Stadt eine Bananenrepublik wird, nimmt Amsterdam nur Platz 9 ein (nach Platz 6 im Vorjahr).
  • Wenn man eine besonders kriminelle Stadt in den Niederlanden nennen soll, würden viele Leute auf Amsterdam oder Rotterdam tippen. Hollands heimliche Hochburg des Verbrechens ist jedoch Roermond! Die alte Bischofsstadt stieg von Platz 8 in 2004 auf Platz 4 in 2005 und nimmt nun Platz 3 ein. Wenn man bedenkt, daß die eigentliche Stadt Roermond nur 34.000 Einwohner hat, ist dies eine bemerkenswerte Leistung. Und die Tendenz ist steigend!
  • Die Gemeinde Zeist bei Utrecht hat 2006 einen Rückschlag erlitten. Nachdem der Sitz des niederländischen Fußballverbandes sich letztes Jahr noch von Platz 21 auf Platz 52 verbessert hat, fand sie sich 2006 auf Platz 37 wieder.
  • Die sicherste Gemeinde 2006 war Littenseradiel in Friesland. Sie dürfte somit als Vorbild für alle anderen Gemeinden dienen.

Aus dem Misdaadmeter kann man viel ableiten. Die Frage ist nur, wie das zu interpretieren ist:

  • Ist der hohe Platz von Roermond nur auf die Unfähigkeit derjenigen zurückzuführen, die für die Verbrechensbekämpfung zuständig sind, oder kann man vielmehr behaupten, daß in eine Stadt wie Roermond viel Kriminalität vorkommt?
  • Zeigen die Plätze von Zeist tatsächlich einen Rückschlag an, oder könnte das auch Zufall sein?
  • Vor 2006 wurden nur tatsächlich angezeigte Delikte registriert. Ab 2006 werden auch Delikte erfaßt, die von der Polizei bemerkt werden, aber keine Anzeige nach sich ziehen. Deshalb lassen sich die Fallzahlen auf Gemeindeebene nicht mit dem Vorjahr vergleichen.
  • Einige Delikte kommen so selten vor, daß in einer Reihe von Gemeinden während eines Jahres keine Fälle vorkommen. Die Frage ist, wie man diese Gemeinden einordnen soll.

Bei Ranglisten sollte man zum Schluß bedenken, daß diese grundsätzlich einen ersten oder letzten Platz enthalten. Über die Gesamtzahl der Delikte sagt dies nichts aus (sie ist 2006 zurückgegangen). Es wäre trotzdem interessant zu wissen, wie ein entsprechender Vergleich für die deutschen Gemeinden ausfallen würde.