Wie man Geeks NICHT führen sollte

Donnerstag, 11. Juni, 2009 by zahlenpeter

[EINLEITUNG:

"Gut geht es Dänen und denen, denen Dänen nahestehen."

Dieser Spruch von Wolfgang Neuss aus dem Film "Wir Wunderkinder" ist ein Sinnbild für das Ergebnis von zwei Studien zum Glücksgefühl ("Happiness") in den Ländern, welche beide zu dem Schluß kamen, daß die glücklichsten Menschen in Dänemark leben. Daher ist es nicht verwunderlich, daß der dänische Unternehmensberater Alexander Kjerulf die Arbeitsfreude (dän. "arbejdsglæde") als wichtigen Faktor für produktive Arbeit erkannte, sich daraufhin zum Chief Happiness Officer ernannt hat und nun darüber doziert. Arbeitsfreude wird dieselbe Bedeutung beigemessen wie der Geschmack beim Essen, d.h. sie wird häufig als vernachlässigbare Größe behandelt. Daß sie sehr wohl ein entscheidender und vor allem beeinflußbarer Faktor ist, kann der geneigte Leser an den folgenden Quellen studieren:

Und wer einen Gegenentwurf der Sarrazin-Fraktion aus Deutschland studieren möchte:

Für die folgende Übersetzung eines Artikels von Alexander Kjerulf habe ich mich entschieden, den Begriff "Geek" beizubehalten. Er umschreibt eine Person, die sich mit einem - meist technischen - Thema eingehend beschäftigt und sein Leben darauf ausrichtet und dies auch in seiner Arbeit umsetzt. Ein passender Ausdruck wäre vielleicht "Computerfreak" gewesen, aber im Einklang mit den anderen Übersetzungen verwende ich den Originalbegriff, auch zur besseren Übertragbarkeit auf ähnliche Situationen.]

Wie man Geeks NICHT führen sollte

Als die Geeks bei NCR in Australien mit Streik drohten, war das ein Schritt, welcher Geldautomaten, Supermarktkassen und das Check-In auf Flughäfen hätte lahnlegen können. Dies unterstreicht die Tatsache, daß IT in den meisten Unternehmen so wichtig geworden ist, daß jede Störung eine Menge Zeit und Geld kosten kann, was wiederum bedeutet, daß die Geeks am Arbeitsplatz bei Laune zu halten ein absolutes Erfordernis im modernen Geschäftsleben ist.

Der Hauptgrund, warum IT-Leute am Arbeitsplatz unglücklich sind, bilden schlechte Beziehungen zum Management, oft weil Geeks und Manager grundverschiedene Persönlichkeiten, berufliche Hintergründe und Ziele haben.

Manche Leute schließen daraus, daß Geeks Manager hassen und unmöglich zu führen sind. Der Spruch “Geeks zu führen ist wie Katzen zu hüten” wird zuweilen verwendet, ist aber schlicht und ergreifend falsch. Die Tatsache ist, daß Geeks schlechtes Management hassen und noch weniger Verständnis dafür haben als die meisten anderen Angestellten.

Wo geht es also schief? Ich begann als Geek und wurde später eine Führungskraft und IT-Firmengründer, so daß ich das Glück hatte, in beiden Lagern gewesen zu sein. Hier sind die 10 größten Fehler, die ich bei Managern erlebt habe, wenn sie Geeks leiteten:

1: Spielen Sie die Weiterbildung herunter

Ich hatte einmal einen Chef, der sagte: “Weiterbildung ist reine Geldverschwendung, gehen Sie selber lernen”. Die besagte Firma ist zwei Jahre später zusammengebrochen. Auf die Weiterbildung kommt es an, gerade in IT, und Manager müssen das begreifen und dafür Geld einplanen. Manchmal bekommt man zu hören: “Wenn man ihnen Weiterbildung gibt, dann kommt ein Konkurrent und schnappt sie einem weg”. Das mag stimmen, aber die Alternative wäre dann, nur Angestellte zu haben, die zu ungebildet sind, um woanders zu arbeiten.

2: Geben Sie keine Anerkennung

Da Manager möglicherweise die Arbeit nicht verstehen, welche die Geeks sehr gut erledigen, ist es schwierig für sie, die Arbeit anzuerkennen und zu belohnen, welche sehr gut erledigt wurde, was die Motivation schädigt. Die Lösung ist, zusammen eine Reihe von Zielen zu erarbeiten, über die sich beide Seiten einig sind. Wenn diese Ziele erreicht werden, dann verrichten die Geeks eine tolle Arbeit.

3: Planen Sie zu viele Überstunden ein

“Laßt uns soviel Arbeit wie möglich aus unseren Geeks herauspressen, sie haben sowieso kein Leben,” so scheint der Ansatz einiger Manager zu lauten. Das ist ein Riesenfehler, und überarbeitete Geeks brennen aus oder verlassen einfach die Firma. In einem berühmten Fall erlitt ein junger IT-Mitarbeiter einen streßbedingten Schlaganfall, wurde ins Krankenhaus eingeliefert, kehrte kurz darauf zur Arbeit zurück und erlitt umgehend einen weiteren Schlaganfall. Dieser Artikel behandelt eingehender das Märchen, daß lange Arbeitsstunden gut für das Geschäft sind.

4: Verwenden Sie Managersprech

Geeks hassen Managersprech und betrachten es als oberflächlich und unehrlich. Manager brauchen kein Fachchinesisch zu lernen, aber sie sollten die Business-Phrasen loswerden. Ein Manager kann sagen “Wir müssen proaktiv auf unser Time-to-market einwirken” oder Deutsch sprechen und bei “Wir müssen dieses Projekt rechtzeitig abschließen”.

5: Versuchen Sie, schlauer als die Geeks zu sein

Wenn Manager nichts zu einer technischen Frage wissen, dann sollten sie das einfach zugeben. Geeks werden sie dafür respektieren, jedoch nicht dafür, daß man vorgibt, etwas zu wissen. Und sie werden das mitkriegen – Geeks sind schlau.

6: Handeln Sie inkonsequent

Geeks besitzen einen tief sitzenden Sinn für Fairness, wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, daß in der IT Struktur und Konsequenz entscheidend sind. Die Dokumentation kann nicht eine Sache behaupten, während das Programm etwas anderes macht, und ebenso können Manager nicht eine Sache sagen und dann etwas anderes machen.

7: Ignorieren Sie die Geeks

Da MAnager und Geeks verschiedene Sorten von Menschen sind, könnten Manager am Ende die Geeks allein lassen. Das macht das Führen von ihnen schwierig, und Geeks benötigen gute Menschenführung genauso wie alle anderen Mitarbeitergruppen.

8: Treffen Sie Entscheidungen, ohne sie um Rat zu fragen

Geeks kennen für gewöhnlich die technische Seite des Geschäfts besser als der Manager, daher ist eine technische Entscheidung zu treffen, ohne sie um Rat zu fragen, der größte Fehler, den eine Führungskraft machen kann.

9: Geben Sie ihnen keine Werkzeuge

Ein schneller Computer mag mehr Geld kosten als ein älteres Gerät und es mag auch nicht den Firmenrichtlinien entsprechen, aber Geeks benutzen Computer anders. Ein langsamer Computer senkt die Produktivität und ist ein tägliches Ärgernis. Das gilt auch für veraltete Software. Geben Sie ihnen die Werkzeuge, die Sie benötigen.

10: Vergessen Sie, daß Geeks kreative Arbeiter sind

Programmieren ist ein kreativer Vorgang, kein industrieller. Geeks müssen sich ständig Lösungen für neue Probleme einfallen lassen und lösen kaum jemals das gleiche Problem zweimal. Daher benötigen sie Spielraum und Flexibilität. Strenge Dress-Codes und zuviel Papierkram töten jegliche Innovation. Sie benötigen ebenfalls eine kreative Umgebung, um dem Bürozellentod zu entgehen.

Einen oder mehrerer dieser Fehler zu begehen (und ich habe Manager gesehen, welche alle 10 machten) hat ernste Folgen, darunter:

  • Niedrige Motivation
  • Hohe Mitarbeiterfluktuation
  • Erhöhtes Fernbleiben
  • Niedrigere Produktivität
  • Niedrigere Qualität
  • Schlechter Service

Fröhliche Geeks sind produktive Geeks, und der wichtigste Faktor ist gutes Management, welches auf deren Situation zugeschnitten ist.

Vorbehalte:

  • Ich behaupte nicht, daß alle Geeks gleich sind. Geeks sind wahnsinnig verschiedenartige Leute, und dieser Artikel verallgemeinert gefährlich.
  • Ich behaupte nicht, daß alle IT-Leute Geeks sind. Manche sind es, manche nicht. Ich war es ganz bestimmt.

Wenn Sie diesen Artikel mochten, dann denke ich, werden Sie auch an diesen Vergnügen finden:

  • Let’s go vampire slaying” – Mehr echt schlechte Managementideen, die man meiden sollte.
  • eXtreme Projects” – Wie kann Extremprogrammierung bei Nicht-IT-Projekten angewendet werden?
  • Make your business happy and rich” – Einfache Schritte, um die Leute bei der Arbeit in einem beliebigen Unternehmen fröhlich zu stimmen. Besonders wichtig für Jungunternehmen!
  • Don’t fight stress” – Das macht Sie nur noch gestresster. Lernen Sie, wie Sie stattdessen ruhig in einem hektischen Job bleiben können.

Oder gehen Sie einfach zur Startseite und sehen Sie sich um. Diese Webseite handelt generell davon, wie wir bei der Arbeit fröhlich sein können und wie wir bessere und effizientere Arbeitsplätze gestalten können.

NACHTRAG:

Dieser Artikel ist auch in anderen Sprachen verfügbar:

(Übersetzung des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Verfassers)

Pünktlichkeit von Bussen in Aachen – Sonderfall

Mittwoch, 27. Mai, 2009 by zahlenpeter

Seit Mitte Januar erfasse ich die Verspätungen von 6 Bussen in Aachen. Nun ist am Freitag, dem 22.05.2009 folgendes passiert:

Der Bus der Linie 55, der um 18:28 Uhr an der Haltestelle Kuckelkorn abfahren sollte, ist nicht erschienen. Das ist insofern ein Problem, als der nächste Bus dieser Linie erst eine Stunde später abfährt. Da ich den Bus auf dem Weg vo meinem Haus ebenfalls nicht gesehen habe, kann er auch nicht zu früh abgefahren sein.

Wer den Fahrplan kennt, der weiß, daß ein Fahrgast, der in Richtung Vaals fährt, keineswegs eine Stunde auf einen geeigneten Bus hätte warten müssen. Noch weniger muß er warten, wenn er nur bis zum Westfriedhof fahren will. Das Entscheidende ist aber die Frage, wie es mit der Pünktlichkeit eines bestimmten Busses aussieht. Dies ist nicht nur eine wichtige Information für den Fahrgast, sondern auch für den Verkehrsbetrieb, der so weiß, wo er Verbesserungen ansetzen soll.

Es ist nun so, daß der betreffende Bus von den untersuchten Bussen die größten Verspätungen aufweist. Die zweithöchste Verspätung fand am 20. Januar dieses Jahres statt und betrug 16 Minuten und 10 Sekunden. Ein Busausfall würde einer Verspätung von ca. einer Stunde entsprechen (in diesem Fall: 60 Minuten und 58 Sekunden), was die Daten doch ziemlich verzerren würde. Die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber es sieht so aus, daß ich diese Fahrt aus einer Analyse wie der Festlegung von Kontrollgrenzen herausnehmen werden.

Was die AVV betrifft, so stellt diese Fahrt ein besonderes Resultat dar, was bedeutet, daß für die Verspätung ein besonderer Grund vorgelegen hat. Der Verkehrsbetrieb sollte diesen Grund erfassen und sich überlegen, wie man einer ähnlichen Verspätung vorbeugen und die Folgen ggf. mildern kann (was ab Aachen-Brand durch andere Buslinien wohl geschehen ist).

Favoritenrolle bei DSDS – Stand 2009

Sonntag, 10. Mai, 2009 by zahlenpeter

Der Drops ist gegessen, die Würfel sind gefallen. Die 6. Staffel von DSDS ist zu Ende gegangen. Der gesuchte Superstar von 2009 ist Daniel Schuhmacher. Er hatte sich mit einem denkbar knappen Ergebnis von 50,47% gegenüber Sarah Kreuz durchsetzen können. Damit ist es Zeit für eine aktualisierte Tabelle über die Verteilung der Stimmen für die Top-10-Kandidaten (siehe Artikel zu dem Thema):

Ungleichheit bei DSDS-Top-10
Staffel Gini-Koeffizient Favoriten
1 0,559 Judith Lefeber, Daniel Küblböck
2 0,339 Philippe Bühler, Anke Wagner, Denise Tillmanns, Elli Erl
3 0,405 Vanessa Jean Dedmon, Nevio Passaro, Mike Leon Grosch
4 0,392 Mark Medlock, Lisa Bund, Francisca Urio
5 0,539 Thomas Godoj
6 0,270 Dominik Büchele, Sarah Kreuz, Daniel Schuhmacher, Holger Goepftert

Fett: späterer Sieger
(Quellen: dsds.ch, eigene Berechnungen)

Die 6. Staffel hatte somit das ausgeglichenste Feld in der Geschichte von DSDS gehabt, eine Zendenz, die auch in den weiteren Mottoshows weitgehend aufrechterhalten wurde. Wenn sich RTL davon mehr Spannung und mehr Zuschauer versprochen haben sollte, dann kann der Sender sich durch die höheren Final-Quoten gegenüber dem Vorjahr bestätigt fühlen (ob die hinzugewonnenen Zuschauer alle daran interessiert gewesen sind, die Geburt eines neuen Stars mitzuerleben, ist eine andere Frage).

Quarternärsystem – ein Zahlensystem mit vier Ziffern

Donnerstag, 7. Mai, 2009 by zahlenpeter

Bekanntlich ist das Dezimalsystem, welche die Basis 10 verwendet, das weltweit verbreitete Zahlensystem. Aus der Welt der Computer ist aich das Binärsystem bekannt, in welchem Zahlen mit den Ziffern 0 und 1 ausgedrückt werden. Es sind aber auch Zahlensysteme mit anderen Basen nicht nur möglich, sondern auch bei Mensch und Natur gebräuchlich.

Ein Zahlensystem mit der Basis 4 wird als Quarternärsystem bezeichnet. Mit ihm werden Zahlen mit den Ziffern 0, 1, 2 und 3 ausgedrückt.

Daß das Quarternärsystem auch in der Natur vorkommt, wird vor allem daran deutlich, daß man durch ihn den genetischen Code, der durch Sequenzen der vier Nukleotide A, C, G und T charakterisiert wird, beschreiben kann.

Im Alltag hatte der Indianerstamm der Chumash, die in Süd-Kalifornien beheimatet waren, ein Zahlensystem der Basis 4 verwendet.

Wie so ein System erlernt werden kann, demonstriert das Volk der Shadoks, deren Sprache aus nur vier Silben besteht, wodurch sich deren Arithmetik von selbst ergab:

Holland Magazin

Dienstag, 5. Mai, 2009 by zahlenpeter

Wer sich über die Niederlande informieren möchte und sich dabei nicht bloß auf Quellen wie den “Stern” stützen möchte, für den gibt es jetzt ein Reisemagazin in Form des “Holland Magazins”.

Passenderweise wird das Magazin von einem niederländischen Verlag herausgegeben, der Credits Media BV. Dieser ist in seiner Heimat der führende Herausgeber von Länderzeitschriften und bringt auch deutsche Ausgaben über ihre Magazine zu den Themen Italien, Spanien und Frankreich heraus.

Zu den behandelten Themen gehören Beschreibungen von

  • Reisezielen (z.B. Amsterdam, die Watteninseln und Maastricht),
  • niederländischer Küche (sowohl Haute Cuisine als auch holländischer Käse),
  • Handwerk (z.B. Aalfischer),
  • niederländischem Design aller Art.

Dies ist alles verbunden mit nützlichen Tipps für den Reisenden. Hinzu kommen diverse Kolumnen und Informationen wie über aktuelle niederländische Romane. Dies alles macht das Holland Magazin zu einem Werk, welche jeden ansprechen dürfte, der gerne Zeitschriften wie den “HB Bildatlas” oder “Land und Meer” liest.

Die erste Ausgabe ist im März erschienen. Weitere folgen im Juni und Oktober jeweils vor Beginn der Ferien.

Pünktlichkeit von Bussen – ein Beispiel aus Aachen

Samstag, 25. April, 2009 by zahlenpeter

Nachdem ich regelmäßig bestimmte Strecken per Bus und Bahn zurückzulegen hatte, mußte ich dort auch die eine oder andere Verspätung mitmachen. Durch meinen statistischen Hintergrund kam ich irgendwann auf die Idee, diese Verspätungen zu notieren und zu ermitteln, wie pünktlich die Verkehrsmittel tatsächlich sind. Nach langer Zeit habe ich Mitte Januar wieder damit begonnen und möchte einen Einblick geben, was man daraus folgern kann.

Als Beispiel habe ich die Bushaltestelle Kuckelkorn in Aachen ausgewählt, die bei mir in der Nähe liegt. Dort habe ich abends für 6 Busse festgehalten, wann sie abgefahren sind. Dabei handelt es sich um die folgenden Linien der AVV:

  1. Bus 35 Richtung Breinig Entengasse in Stolberg (stadteinwärts). Abfahrt: 18 Uhr 26.
  2. Bus 55 Richtung Vaalserquartier (stadtauswärts). Abfahrt: 18 Uhr 28.
  3. Bus 3A Richtung Uniklinik (stadteinwärts). Abfahrt: 18 Uhr 28.
  4. Bus 3B Richtung Uniklinik (stadtauswärts). Abfahrt: 18 Uhr 28.
  5. Bus 45 Richtung Aachen-Brand (stadteinwärts). Abfahrt: 18 Uhr 36.
  6. Bus 45 Richtung Uniklinik (stadtauswärts). Abfahrt: 18 Uhr 36.

Mit den Messungen habe ich am 14. Januar begonnen. Diese gingen vorerst bis zum 24. April, so daß – Rosenmontag und Ostern ausgenommen – 72 Werktage zur Verfügung standen. Am 20. März konnte ich nicht vor Ort sein, so daß ich an 71 Tage messen konnte. Hinzu kommen je ein fehlender Wert für Bus 35 am 14. Januar sowie für Bus 3A am 28. Januar.

Vorerst gibt es ein paar Maße, um sich einen Überblick zu verschaffen. Da es einige größere Verspätungen gibt, sind robuste Maße angebracht:

  • Der Median: Werden die Werte nach ihrer Größe geordnet, ist der Wert in der Mitte der Median. Er ist relativ unempfindlich gegenüber extremen Ausreißern.
  • Das untere und obere Quartil: Die Quartile teilen die Daten in vier gleich große Gruppen auf. Das untere Quartil (Q1) hat 25% aller Werte unter sich, während das obere Quartil (Q3) 75% aller Werte unter sich hat.
  • Der Interquartilsabstand (IQA): Der IQA ist ein Streuungsmaß und definiert als der Abstand zwischen den 1. und 3. Quartil. Er ist somit die Breite des Intervalls, in den die Hälfte der Werte liegt.
Verspätungen an der Haltestelle “Kuckelkorn”
Bus 35 55 3A 3B 45 45
Abfahrt 18 Uhr 26 18 Uhr 28 18 Uhr 28 18 Uhr 28 18 Uhr 36 18 Uhr 36
1. Quartil -0:28,0 1:52,0 0:28,0 0:12,0 -1:09,0 0:29,0
Median -0:13,5 4:56,0 0:36,0 1:00,0 0:03,0 1:12,0
3. Quartil 1:04,3 7:27,0 1:54,0 3:28,0 0:50,0 2:46,0
IQA 1:32,3 5:35,0 1:26,0 3:16,0 1:59,0 2:17,0

(alle Angaben in Minuten und Sekunden)
(Lesebeispiel: Die Verspätungen des Busses der Linie 55 zwischen dem 14. Januar und dem 24. April wiesen ein Median von 4 Minuten und 56 Sekunden auf.)

Unter den untersuchten Bussen fällt die Linie 55 auf, welche von Aachen-Lichtenbusch über Kornelimünster und dann durch die Innenstadt kommt und deutlich später als die anderen Busse abfährt. Auch die Streuung der Abfahrtszeiten ist höher als bei den anderen Linien.

Ansonsten scheinen die Busse aus der Stadt etwas später abzufahren, was daran liegen könnte, daß sie länger unterwegs sind. Aber um das belegen zu können, müßten noch mehr Linien betrachtet werden.

Um die Verspätungen genauer analysieren zu können, ist eine Betrachtung der Fahrten über die Zeit notwendig. Bei den obigen Maßen wird unterstellt, daß die Umstände, welche für die Pünktlichkeit verantwortlich sind, in den Monaten gleich geblieben sind.  Dabei könnten Wetter, Schulferien und ähnliches einen Einfluß haben. Außerdem kann man auf diese Wiese herausfinden, ob einzelne Busse für ihre Verhältnisse besonders unpünktlich (oder pünktlich!) gewesen sind. Dies weist auf besondere Ursachen bzw. Ereignisse hin, welche es nachzugehen gilt.

Ein eventueller Vorteil, wenn man sich die Verspätungen notiert, ist, daß sich ein Bus als allgemein pünktlich herausstellt. Auf der anderen Seite habe ich auch schon unpünktlichere Linien erlebt. Als ich in Baesweiler arbeitete, kam der Bus der Linie 51, auf den ich an der Endstation am Reyplatz warten mußte, grundsätzlich zu spät.

Allerdings habe ich bei der Deutschen Bahn schon mehr erlebt. So kam jeder vierte Zug von Bremen nach Köln, mit dem ich am Sonntag vom Wochenende heimfuhr und der um 20 Uhr 48 ankommen sollte, um den Herbst herum mit einer Verspätung von mehr als 45 Minuten an, so daß ich den Anschlußzug nach Aachen verpaßte.

Wie groß ist die Favoritenrolle bei DSDS?

Donnerstag, 12. März, 2009 by zahlenpeter

Zur Zeit läuft bei RTL die 6. Staffel von “Deutschland sucht den Superstar”, einer Show, bei welcher ein Popstar gefunden werden soll. Wenn dabei eine Kelly Clarkson oder eine Leona Lewis entdeckt wird, dann erfüllt das Format seinen Zweck durchaus. Allerdings sehen viele Bildungsbürger die Show eher als Unterschichtenfernsehen an, was man an den Kommentaren merkt, welche zu Berichten wie diesem geschrieben werden. Auch wenn man was an DSDS auszusetzen hat (und das ist so einiges), so finde ich es völlig verkehrt, vor diesem Phänomen die Scheuklappen aufzusetzen. Vielmehr sollte man – wie eigentlich bei jeder Kuriosität – genauer hinsehen und dabei auch Methoden abseits der üblichen Informationsgewinnung verwenden. Als Beispiel soll untersucht werden, wie groß die Favoritenrolle in den einzelnen Staffeln gewesen ist, wobei der Gini-Koeffizient herangezogen wird.

Um das Ausmaß der Favoritenrolle in einer Staffel zu ermitteln, bietet sich die Verteilung der Stimmen auf die einzelnen Kandidaten an. Wenn alle Kandidaten gleichviel Stimmen erhalten, so gibt es keinen Favoriten um den Superstar-Titel. Wenn alle Stimmen auf einen Kandidaten entfallen, so gibt es einen eindeutigen Favoriten. Das ist zumindest die Theorie. Um die verschiedenen Staffeln vergleichen und um diesen Vergleich in einen frühen Stadium machen zu können, sollen die Abstimmungen bei den Mottoshows betrachtet werden, in welchen jeweils die letzten 10 Kandidaten angetreten sind.

Um die Ungleichverteilung der Stimmen zu ermitteln, benötigt man ein Maß. Ein beliebtes Ungleichverteilungsmaß ist der Gini-Koeffizient, welcher im Wesentlichen wiedergibt, wie weit die vorliegende Verteilung von einer Gleichverteilung entfernt ist. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wird so mit Vorliebe die Ungleichheit bei den Einkommen und Vermögen gemessen, wobei die Individuen gruppiert werden. Der Gini-Koeffizient liegt bei 0, wenn jeder gleich viel erhält oder besitzt, und er geht gegen 1, wenn nur einer alles bekommt. Der Ausdruck “geht gegen 1″ bedeutet dabei, daß das Maximum bei n Gruppen nicht bei 1, sondern bei (n-1)/n liegt. Bei der Abstimmungen für die 10 Kandidaten kann der Gini-Koeffizient somit höchstens bei 0.9 liegen. Um den Koeffizienten zu normieren, ist es möglich, ihn durch das Maximum zu teilen, so daß er tatsächlich Werte zwischen 0 und 1 annehmen kann. Allerdings steigt er auch in normiertem Zustand mit der Anzahl n der Individuen/Gruppen an.

Es folgen nun die Gini-Koeffizienten für die Top 10 der ersten 5 Staffeln von DSDS. Zu den einzelnen Staffeln sind auch die “Favoriten” zu sehen, also die Kandidaten, welche zu der Zeit zusammen die Hälfte der Stimmen erhalten haben (aus den Mottoshows selbst geht nicht eindeutig hervor, welcher Kandidat vorne und welcher hinten liegt).

Ungleichheit bei DSDS-Top-10
Staffel Gini-Koeffizient Favoriten
1 0,559 Judith Lefeber, Daniel Küblböck
2 0,339 Philippe Bühler, Anke Wagner, Denise Tillmanns, Elli Erl
3 0,405 Vanessa Jean Dedmon, Nevio Passaro, Mike Leon Grosch
4 0,392 Mark Medlock, Lisa Bund, Francisca Urio
5 0,539 Thomas Godoj

Fett: späterer Sieger
(Quellen: dsds.ch, eigene Berechnungen)

Die größte Ungleichheit bei den Stimmen bestand demnach in der 1. und 5. Staffel, während das Feld in der 2. Staffel am engsten zusammenblieb, was auch daran ersichtlich ist, daß damals 4 Kandidaten die Hälfte der Stimmen erhielten. Bei der Betrachtung der Tabelle fallen einige Sachen auf:

  • Die späteren Sieger Alexander Klaws und Tobias Regner lagen zu der Zeit nicht im vorderen Feld.
  • Mark Medlock hatte zwar als erster DSDS-Teilnehmern in jeder Abstimmung die meisten Stimmen bekommen, der Gini-Koeffizient spiegelt das nicht wieder. Der Grund war, daß es am Anfang mehrere Kandidaten gab, welche Stimmen auf sich ziehen konnten.

Diese Beobachtungen zeigen, daß der Gini-Koeffizient nur eine Zusammenfassung darstellt und nicht einzelne Entwicklungen der Kandidaten wiedergeben kann.

Zum Vergleich kann man auch das Abstimmungsergebnis von Finale des RTL-Supertalents 2008 heranziehen, welches Michael Hirte gewonnen hatte. Hier erhält man einen Gini-Koeffizienten von 0,704!

Egal, wie man zu solchen Formaten steht, es lohnt sich, sie mit einem wachen Auge zu betrachten und dabei auch Methoden anzuwenden, bei denen das Ergebnis nicht im Voraus feststeht.

[UPDATE: In der 3. Mottoshow der aktuellen Staffel gab es – wie so oft -  eine Neuerung: Moderator Marco Schreyl verkündete kurz vor Ende der Abstimmung den Zwischenstand. Demnach entfielen auf die 8 Kandidaten jeweils 19, 18, 13, 12, 12, 10, 9 und 7 Prozent der Stimmen. Wenn dem so ist, dann würde diese Staffel das ausgeglichenste Feld aller bisherigen Staffeln besitzen. Die Einblendung ist auch unter dem Gesichtspunkt verständlich, daß RTL von den Zuschaueranrufen profitiert. (Marco Schreyl hatte dabei übrigens erwähnt, daß sich dabei auch zwischen den Plätzen 4 und5 noch alles entscheiden kann, da auf beide je 12 Prozent entfallen. Wie sich die Positionierung auf den Mittelplätzen auf die eigentliche Prozedur auswirken soll, ist allerdings unklar.)

Statistik surreal

Freitag, 16. Januar, 2009 by zahlenpeter

Auf der Webseite des Wadsworth Atheneums, dem ältesten öffentlichen Kunstmuseum der Vereinigten Staaten, befindet sich eine Anwendung namens SurrealPainter, mit welchem der Besucher aus verschiedenen Hintergründen und Objekten ein surreales Bild erstellen kann. Mit dieser Anwendung, welche Teil einer Werbekampagne gewesen ist, habe ich zum Thema Statistik ein Bild gemacht:

Statistik

Statistik surreal

http://www.wadsworthatheneum.org/painter/galleryView.php?paintingID=10393

Umschreibung der Aufgaben des Managements

Sonntag, 3. August, 2008 by zahlenpeter

John Hunter, Autor des Curious Cat Blogs für Management, veröffentlicht regelmäßig einen Blog-Karneval mit Links zu interessanten Blog-Beiträgen über Management. In seinem neuesten Karneval, welcher in seiner vollständigen Fassung bei Lean Blog beherbergt wird, sprang mir ein Satz ins Auge, welcher die Aufgaben des Managements besser umschreibt, als es die üblichen Stellenbeschreibungen je können:

“Die einzige Aufgabe des Managements ist es, eine Umgebung zu schaffen, wo Leute, welche sich selbst überlassen und unbeaufsichtigt sind, mit höchster Wahrscheinlichkeit in ein Verhalten verfallen, welches die Ziele der Organisation vorantreibt.”

Der Satz stammt von Dr. Stuart Rosenberg, CEO von Harvard Medical Faculty Physicians und bedeutet, daß die Leute die äußerlichen und innerlichen Voraussetzungen erhalten, damit deren Verhalten das gewünschte ist. Zu den innerlichen Voraussetzungen gehört auch das, was W. Edwards Deming als “pride of workmanship” bezeichnet hatte. Auch Demings Forderung, Qualitätsmanagement nicht auf Kontrollen allein aufzubauen, findet sich in dem Satz wieder.

Wie aller guten Gedanken über das Management läßt sich dieser auch auf verwandte Felder wie Erziehung oder Regierung übertragen.

Die besten Schnellimbisse der Niederlande

Samstag, 26. Juli, 2008 by zahlenpeter

Wie es der Name schon sagt, sind Schnellimbisse (nl. “cafetaria”) eine Möglichkeit, sich auf die Schnelle mit einer kleinen oder auch größeren Mahlzeit zu versorgen. Aus einem früheren Beitrag wissen wir, daß Schnellimbisse auch zu einem geregelten Zusammenleben beitragen können, sofern sie noch spät genug geöffnet haben. Daher ist es nicht verwunderlich, daß sie auch in den Niederlanden weit verbreitet sind.  Es sollte somit auch selbstverständlich sein, daß man sich darüber informieren kann, wo man sich ein gepflegtes Essen verschaffen kann. Dazu gibt es im Internet mehrere Möglichkeiten.

Da Schnellimbisse in einem normalen Restaurantführer nicht vorkommen, sind sie im Internet eher in Restaurantführern mit großer Basis wie z.B. Iens.nl oder Eet.nu zu finden, wo sie unter der Kategorie “Fast Food” bzw. “Cafetaria” und “Patates-frites” verzeichnet sind. Allerdings sind diese Restaurantführer nicht auf Schnellimbisse spezialisiert, so daß diese dort nur eine Kategorie unter vielen darstellen.

Wer sich speziell für Fritten in den Niederlanden interessiert, der kann die Webseite Frietopia aufsuchen. Dort bewerten die Verbraucher die Frittenbuden des ganzen Landes, wie es auch die zugehörige Karte zeigt, auf welcher man nach den Buden eines Ortes suchen kann. Dabei wird zumindest für Maastricht deutlich, daß die besten Buden auch abseits der ausgetretenen Pfade liegen können. Die drei besten Buden eines Jahres erhalten einen Publikumspreis. Eine Rangliste aller getesteten Buden sowie eine Hall of Fame bzw. Hall of Shame runden die Seite ab.

Unter den Restaurants, deren Angebot sich um den Imbiß zwischendurch dreht, ermittelt das Fachblatt Snackkoerier jährlich die Cafetaria Top 100, eine Liste der 100 besten Schnellimbisse. Zur besseren Übersicht gibt es auch eine Karte, die heruntergeladen werden kann. Aus der geographischen Verteilung geht hervor, daß die meisten ausgezeichneten Schnellimbisse sich in der Provinz Südholland befinden. Bei Horeca Link gibt es einen Bericht, in welchem die Cafetaria Top 100 mit Links zu den ausgezeichneten Schnellimbissen sowie den vertretenen Ketten verzeichnet sind. Neben den Top 100 gibt es auch eine Liste der Betriebe, welche nicht ganz nach oben geschafft haben, sowie den Gründen dafür.

Der Erstplatzierte der Cafetaria Top 100 wird für drei Jahre in die Ehrengalerie aufgenommen, was auch bedeutet, daß er in dem Zeitraum nicht in den offiziellen Top 100 erscheint. Ein Schnellimbiß in der Ehrengallerie wird jedes Jahr überprüft, ob er dieser Auszeichnung noch würdig ist.

Neben den Top 100 werden auch Spezialpreise vergeben. Im letzten Jahr wurden drei Betriebe für ihre Leisungen in der Innovation, in der Gastfreundschaft sowie beim Eisverkauf ausgezeichnet.

Die am häufigsten vertretenen Ketten waren im letzten Jahr Kwalitaria, Vork, Verhage, Plaza und Snackpoint. Es fällt auf, daß die Ketten 2007 mit 65 Betrieben in den Top 100 vertreten sind, während es 2004 noch 45 Betriebe gewesen sind. Dies deutet darauf hin, daß die Ketten den Prestige der Top 100 erkennen und mehr Möglichkeiten besitzen, um einen Qualitätsstandard erreichen zu können.

Das auch die Schnellimbisse mehr Professionalität anstreben, geht auch aus der Liste der Do und Don´ts 2007 sowie der Patzer von 2006 hervor. Offensichtlich kann man auch dort Ordnung und Sauberkeit erwarten. Auch hier haben die Ketten mehr Möglichkeiten, um Punkte zu sammeln.

Die Cafetaria Top 100 von 2007 wurden in einem Festakt in den Brabanthallen von ’s-Hertogenbosch vorgestellt. Beim dem Anlaß wurden auch die Auszeichnungen überreicht. Von diesem Festakt gibt es neben einem Bildbericht auch erstmals einen Videobericht. Die Top 10 dieser Liste sind:

Top 10 der niederländischen Schnellimbisse 2007-2008
Platz Vorjahr Schnellimbiß Ort
1. 39. Eetplezier De Bestse Snackbar Best
2. 9. Vork Fastfood Stadshagen Zwolle
3. 4. Snackpoint Knoors Berg aan de Maas
4. 3. King Lao Lisse
5. - koffie- en eetwinkel Daily-in Lochem
6. - Verhage Plateau Spijkenisse
7. 53. Plaza De Tol Tiel
8. 6. Kwalitaria ´t Middelpunt Emmer-Compascuum
9. 44. Eet- en ijssalon Menzing Haaksbergen
10. - Snackbar De Krom Spijkenisse

Die Spezialpreise des Jahres gingen an Eetplezier De Bestse Snackbar (Innovation), Plaza De Tol (Gastfreundschaft) sowie Eet- en ijssalon Menzing (Eisverkauf). Zur Ehrengalerie gehören die Schnellimbisse Eetpaleis ´t Vosje aus Rosmalen (Sieger 2004/05), Kwalitaria De Bik Bar aus Emmen (2005/06) sowie Verhage Kort Ambacht aus Zwijndrecht (2006/07).

Was ein dermaßen ausgezeichneter Schnellimbiß zu leisten vermag, davon kann sich der geneigte Leser anhand der Listen bei Gelegenheit selber ein Bild machen.